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Forschungsethik in der Fremdsprachenforschung

Eine systemische Betrachtung

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Britta Viebrock

Auch in der Fremdsprachenforschung hat sich Forschungsethik zu einem wichtigen Thema entwickelt. Dabei geht es mit der Berücksichtigung einer systemischen Perspektive um weit mehr als die Beachtung von Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Wie sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Kontext ihrer Arbeit, aber auch darüber hinaus verhalten sollen, welche ethischen Implikationen methodologische Entscheidungen haben können, was die Auswirkungen einer zunehmenden Formalisierung forschungsethischer Fragen sind und weitere Aspekte werden in diesem Band systematisch und umfassend aufgearbeitet. Die Darstellung beinhaltet theoretische Grundlagen, praktische Anwendungsbezüge, eine Übersicht über formale Regelwerke sowie empirische Ergebnisse einer Befragung von Nachwuchsforschenden in der Disziplin und deren kritische Reflexion.
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3. Bezugskontexte, Konzepte und theoretische Hintergründe

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3.1 Bezugskontexte der Forschungsethikdiskussion

3.1.1 Historische Bezüge

Während ethische Fragen eine lange philosophische Tradition haben (vgl. auch Kap. 3.3) und sich die Wissenschaft in ihrer Geschichte, vor allem mit der Entwicklung von einer rein geistigen Übung und Kontemplation hin zu empirisch ausgerichteten und experimentellen Forschungsdesigns in der Aufklärung, immer wieder Fragen mit ethischer Dimension ausgesetzt sah, hat die Diskussion um Forschungsethik im engeren Sinn insbesondere im Zuge der Aufarbeitung der Forschungspraxis im Nationalsozialismus nach dem zweiten Weltkrieg an Bedeutung gewonnen. Gemeinhin wird der Nürnberger Kodex (1947) als erste formale ethische Richtlinie angesehen (vgl. Abb. 2), welche die Vorbereitung und Durchführung medizinischer, psychologischer und anderer Experimente mit Menschen festlegt und bis in heutige Kodizes – auch in anderen Disziplinen – fortwirkt. Der Kodex ist aus den Nürnberger Ärzteprozessen hervorgegangen, die zur Rechtsprechung für die im Dritten Reich im Namen der medizinischen Forschung begangenen Verbrechen dienten (vgl. die Dokumentation von Mitscherlich/Mielke 1960 [1949]). Die Richter bezogen ihre Überlegungen nicht nur auf die tatsächlich durchgeführten Taten, sondern nahmen eine größere ethische Dimension hinsichtlich grundsätzlicher Anforderungen an Versuche mit Menschen in den Blick. Dazu gehören die Behandlung von Patienten mit Respekt sowie ärztliches Handeln nach bestem Wissen und Gewissen, wie sie auch schon im Hippokratischen Eid (4. Jahrhundert vor Christus) festgelegt worden sind. Die Rechtsprechung der Nürnberger Prozesse geht also nicht von einem formalen Regelwerk aus, sondern von allgemein verständlichen Normen der Zivilisation und Menschlichkeit: „In...

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