Show Less
Restricted access

Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

Series:

Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
Show Summary Details
Restricted access

Vorbemerkung

Extract



Mary sang und tanzte ein paar Minuten lang inmitten von Balalaika-Spielern, kostümiert als „ukrainische Prinzessin“, die aber eher aus den Tiroler Alpen zu kommen schien.Patrick Modiano: Eine Jugend(Modiano 2014: 107)

Der hier vorgelegte Band umfasst Aufsätze aus den Jahren 2000 bis 2013,1 die in ihrer Summe den bescheidenen Anspruch erheben, als Bausteine einer breiter angelegten Kulturgeschichte Mitteleuropas zu firmieren. Die Gründe für die Verwendung des Begriffs „Mitteleuropa“ (anstatt beispielsweise „Zentraleuropa“) sollten sukzessive aus der Argumentationsführung der einzelnen Beiträge selber hervorgehen und werden jedenfalls im letzten Einzelbeitrag des Bandes in Form einer methodologischen Nachbetrachtung auch auf theoretischer Ebene reflektiert – mit Sicherheit sind sie nicht in einer fehlgeleiteten Nostalgie nach holistischen Vorstellungen einer harmonischen Konstellation von Kulturen zu suchen, die einander zu einem größeren, Bedeutung stiftenden Ganzen ergänzen. Stattdessen stehen neben den diversen, über Kanäle der Rezeption, Literaturkritik oder Korrespondenz laufenden, verbindenden Faktoren der kulturellen Akteure in Mitteleuropa auch Fragen nach Mustern hierarchischer Abstufungen zwischen Zentrum und Peripherie, nach der Deterritorialisierung von Texten zwischen nur scheinbar stabil gesetzten Nationalliteraturen sowie nach Mustern von Ein- und Ausschließung (dargestellt an symbolisch aufgeladenen Orten der Moderne wie Park oder Kaffeehaus). In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist für viele slawische Literaturen in Mitteleuropa ein Modus der Erinnerung an die kakanische Vergangenheit der Donaumonarchie zu konstatieren, der zunehmend im Zeichen jener Scheinhaftigkeit steht, die (aus einer ganz anderen Perspektive) auch Patrick Modiano in seinem von Peter Handke ins...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.