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Der Brief im deutschen Drama des 18. und 19. Jahrhunderts

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Irene Rupp

Briefe spielen im deutschen Drama und Theater des 18. und 19. Jahrhunderts eine auffallend gewichtige Rolle. Sie sind häufig, werden vielfältig variiert und kreativ inszeniert. Am Schnittpunkt von Literatur-, Theater- und Medienwissenschaft beweist die Autorin in zahlreichen Einzelanalysen, dass Briefe weit mehr sind als eine dramaturgische Bequemlichkeit, sondern bewusst gebrauchtes und höchst wirkungsvolles Stilmittel. Aus wiederkehrenden Mustern und Motiven erstellt sie einen umfassenden Katalog von Funktionen und Wirkungsweisen des Briefs im Drama. Er gibt Auskunft über die ästhetischen Strategien, die wichtige Bausteine zur Interpretation einzelner Dramen und zur Beschreibung von Gattungskonventionen und -traditionen der Zeit zwischen Aufklärung und Frührealismus sind.
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1. Einleitung

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1.  Einleitung

1.1  Gegenstand und Anlass der Arbeit

Der Privatbrief ist ein Stück Alltagskultur, das – so muss man konstatieren und kann man bedauern – heute einen schweren Stand hat. Neue und schnellere Medien und Kommunikationsmittel treten zunehmend an seine Stelle, doch ihr Gebrauch hat andere Voraussetzungen und zieht andere Konsequenzen nach sich; ihr Leistungsspektrum deckt sich nur partiell mit der privaten und idealer Weise vertraulichen Korrespondenz zweier Briefpartner, wie sie über Jahrhunderte gang und gäbe war. Auch wer heute noch Briefe schreibt und empfängt, fragt gewöhnlich nicht, was den Privatbrief nun genau ausmacht, wie er sich von anderen Kommunikationsmitteln unterscheidet und welche Folgen seine ganz speziellen Eigenschaften regelmäßig oder im Einzelfall nach sich ziehen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Merkmale von alltäglichen Dingen, wenn sie literarisch verfremdet werden, deutlicher zutage treten. Auch beim Brief ist dies der Fall. Wenn die typischen Stationen und Situationen des Kommunikationsvorgangs in fiktiver Umgebung thematisch werden, dann erhalten Einzelheiten plötzlich neues Gewicht, müssen entlegene Möglichkeiten in Betracht gezogen und allzu gewisse Haltungen dem Brief gegenüber hinterfragt werden. Material findet sich zur Genüge. Seit vielen Jahrhunderten sind Briefeinlagen in den verschiedensten Gattungen der Literatur und der Kunstproduktion gebräuchlich; sie finden sich im Roman ebenso wie in der Lyrik und in Film und Fernsehen.1 Nirgends sonst aber kommen Briefe so häufig vor wie im Drama.2

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