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Transgressionen im Spiegel der Übersetzung

Festschrift zum 70. Geburtstag von Prof. Maria Krysztofiak-Kaszyńska

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Edited By Beate Sommerfeld, Karolina Kęsicka, Małgorzata Korycińska-Wegner and Anna Fimiak-Chwiłkowska

Die Beiträge des Bandes nähern sich dem Phänomen der Transgression im Kontext translatologischer Fragestellungen. Transgressionen werden dabei in mehrfacher Weise konzeptualisiert: als Transzendieren von Kultur- und Wissensgrenzen und Neuverhandlung kultureller Räume, als Ausreizen ästhetischer Normen, Überschreiten von Identitäten, aber auch als Grenzgänge zwischen den Gattungen und Medien. Transgressive Dimensionen werden in der Übersetzung von Dramen (Čechov, Witkacy, Corneille), Lyrik (Leśmian, Różewicz, Mayröcker) sowie in Prosatexten (Twardoch, Wagner) aufgedeckt. Medialen Grenzüberschreitungen wird in Werbetexten und in der Audiodeskription von Filmen und Gemälden nachgegangen.
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Brigitte Schultze - Ein Fremdkörper übersetzt: Kaėtan Kazimirovič Pšechockij in Čechovs Drama na ochote (Drama auf der Jagd) und in polnischer, englischer und deutscher Wiedergabe

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Brigitte Schultze, Mainz, Göttingen

Ein Fremdkörper übersetzt: Kaėtan Kazimirovič Pšechockij in Čechovs Drama na ochote (Drama auf der Jagd) und in polnischer, englischer und deutscher Wiedergabe

1.

Anton Pavlovič Čechovs 1884 entstandener und zwischen 1884 und 1885 als Feuilletonroman erschienener Prosatext (Čechov 1975, 589) Drama na ochote steht, wie kaum ein anderes Werk des Autors, im Zeichen von Entgrenzung, sogar Auflösung eingeführter Orientierungsverhältnisse und -muster. Er bietet auch Überschreitungen und Hybridität im weitesten Sinne. Das betrifft die grundlegende gattungspoetische Anlage zwischen den narrativen Formen roman und povest’ im Verständnis der russischen Tradition (vgl. den Metatext: Čechov 1975, 406), einen verdeckten Vierakter, d. h. ein Drama, unter der Prosa (Hörath 2014, 186–227), ausgeprägte inhaltlich-strukturelle Bezüge zu mehreren im Russland der 1880er Jahre bei einem breiten Leserpublikum beliebten Prosagenres wie Kriminalroman (Franz 1990; Symons 1996, 11–12), Boulevard- oder auch Sensationsroman (Orłowski 1992, 168; Bjalyj 2010, 726–727), dem Zeitungsroman überhaupt (Vukolov 1974), analytisch zu ermittelnde Deutungshorizonte wie Bezüge zu zentralen Komplexen der griechischen Mythologie (Hörath 2014, 86–227), der Bibel (z. B. ebd., 169–170), semantische Folien in der Art von polnischen Autostereotypen und russisch-polnischen Stereotypen, psychologisch und sozialpsychologisch markante Verhaltensmuster im Sinne heutiger Fachwissenschaften und vieles mehr. Manche Abweichungen sind inhaltlich und sprachlich-stilistisch derartig manifest, dass sie Literaturwissenschaftler dazu veranlasst haben, über das Phänomen der Parodie einen Zugang zu diesem Text zu erlangen (Franz...

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