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Homo homini summum bonum- Der zweifache Humanismus des F.C.S. Schiller

Guido Karl Tamponi

Dieses Buch ist die erste deutschsprachige Monographie zu dem im Zeitalter einer «Renaissance des Pragmatismus» wenig beachteten klassischen Pragmatisten F.C.S. Schiller. Es versucht erstmals, einen Ariadnefaden zu sämtlichen Facetten seines Œuvres als einen «zweifachen Humanismus» auszulegen: der Mensch zwischen Individuum und Gesellschaft, Ich und Gott, zwischen Faktum und Ideal, Kritik und Reform. Dabei wird deutlich, dass sich Schillers vielschichtiges Denken – logisch, ethisch, sozial- und bildungspolitisch, metaphysisch – nicht auf einzelne Aspekte beschränken lässt. Vielmehr kreist es um die Frage des Philosophierens überhaupt: nach dem Sinn des Lebens im Ganzen, besonders vor dem Hintergrund der modernen Bedrohung durch Nihilismus und Pessimismus.
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2. Der philosophisch ausgewiesene Weg zum Abgrund

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„Jetzt seien sein Gehirn und sein Kopf voreingenommen, befangen, während sie früher nicht voreingenommen, die Unbefangensten gewesen wären, jetzt seien sein Kopf und sein Gehirn in allen Beziehungen, in allen Erscheinungsmöglichkeiten wie Erscheinungsmöglichkeiten befangen und ein solch befangenes Gehirn müsse sich zweifellos aus einem solch befangenen Kopf wie das seinige aus dem seinigen zurückziehen, ein solch befangenes Gehirn und ein solch befangener Kopf aus der Welt zurückziehen, während es doch Tatsache sei, daß Kopf und Gehirn, umgekehrt Gehirn und Kopf sich nur aus der Welt in die Welt zurückziehen könnten und so fort. Man könne sich also und man könne also alles aus allem immer wieder in alles zurückziehen, man könne also gar nicht zurückziehen und so fort. Das verursache den Dauerzustand tödlicher Verzweiflung.“ Thomas Bernhard – Das Kalkwerk43

2.1 Agnostizismus

In seinem epochemachenden Vortrag „Über die Grenzen des Naturerkennens“ (1872) unternimmt der deutsche Physiologe Du Bois-Reymond (1818–1896) den Versuch einer Kritik der Grenzen wissenschaftlich-mechanischen Forschens und Fragens überhaupt. Auch wenn es gerade die These der kategorischen Begrenzung des wissenschaftlich Erklärbaren ist, die in der Folge den sog. Ignorabimus-Streit44 entfacht hat, ist das eigentliche Anliegen des an der geistigen Avantgarde seiner Zunft festhaltenden Naturwissenschaftlers wie schon im Original, dem kantischen Projekt der transzendentalen Untersuchung der Erkenntnisleistungen, nicht eine Kritik im negativen Sinne, sondern eine kritische Begrenzung der Anwendungsmöglichkeit im Dienst der positiven Selbstvergewisserung des eigenen...

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