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Arbeitsrecht und Satire

Eine rechtshistorische Untersuchung von arbeitsrechtlich relevanten Themen in Karikaturen des "Simplicissimus</I> von 1896 bis 1914

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Caroline Siegel

Die Autorin überprüft das traditionelle Bild der satirischen Zeitschrift des «Simplicissimus» als eines Vordenkers und Schrittmachers des modernen Arbeitsrechts, indem sie das zeitgenössische Arbeitsrecht und die zeitgenössische Arbeitswirklichkeit mit den Karikaturen des Simplicissimus vergleicht. Dabei beleuchtet sie, dass der Simplicissimus vielfach mit Klischees arbeitete, die der Wirklichkeit nicht mehr entsprachen und zudem nur sehr selten Missstände anprangerte, die nicht bereits breit diskutiert bzw. schon gelöst worden waren. Die Untersuchung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der insbesondere mit literaturwissenschaftlichen Erläuterungen der Karikaturen den juristischen Blick öffnet.
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IX. Dienstboten im zivilen Leben

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1. Begriffsbestimmung, Provenienz und demografische Entwicklung

Die Gruppe der „Dienstboten im zivilen Leben“ ist nicht trennscharf von anderen in dieser Untersuchung behandelten Gruppen von Dienstboten darstellbar. So ist die Gruppe vor allem im Zusammenhang mit der der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft zu sehen. Auch die Frage der noch zu erörtenden Frauenarbeit ist nicht von den arbeitsrechtlichen Aspekten dieser Gruppe zu lösen. Die Eigenständigkeit dieses Kapitels bezieht seine Legitimation aus dem Verständnis des Simplicissimus von dieser Gruppe selbst und somit aus dem Versuch, die arbeitsrechtlichen Implikationen und ihre satirische Darstellung in einem kohärenten Fokus zu sehen.

Die Bezeichnungen „Dienstboten“ und „Gesinde“1301 sind heute überholt.1302 Die hier dennoch beibehaltene Bezeichnung ist der Verwendung im Simplicissimus und ← 274 | 275 → in der ihm zeitgenössischen Literatur geschuldet.1303 Als Dienstboten und Gesinde wurden dort u. a. genannt: Dienstmädchen, Köchinnen, Kindermädchen, Ammen, Diener, Kutscher, Knechte, Mägde, Hirten.1304 Die Dienstboten wurden in den einschlägigen Rechtsvorschriften und der Rechtsliteratur Dienstverpflichtete (als Schuldner der Dienstleistung) genannt. Die Arbeitgeber hießen dementsprechend Dienstberechtigte (als Gläubiger der Dienstleistung).1305

In der aus zahlreichen Gesindeordnungen gespeisten Verkehrsanschauung zählten zum Gesinde diejenigen, die sich durch Vertrag auf längere Zeit1306 gegen Entgelt zur Leistung häuslicher oder landwirtschaftlicher Dienste verpflichteten, dabei im weitesten Sinn in die häusliche Gemeinschaft einer „Herrschaft“ aufgenommen wurden1307 und sich der Hausgewalt1308 des Dienstherrn unterwarfen. Die Bindung an die häusliche Gemeinschaft hatte eine lange...

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