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Machtspiele

Katachresen der gerechten Herrschaft im modernen Geschichtsdrama

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Tomislav Zelić

Dieses Buch untersucht eine Auswahl von poetischen Geschichtsdramen aus der Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt des Machtspiels. Dabei analysiert der Autor die subjektiven, objektiven und absoluten Ironien, die Katachresen der gerechten Macht und Herrschaft sowie die logischen Paradoxien der absoluten Souveränität.
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11. Die Katachresen der Demokratie im geteilten Deutschland

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Heiner Müller Germania Tod in Berlin

Heinrich Heine zufolge seien alle deutschen Revolutionen von den Bauerkriegen bis zu der bürgerlichen Revolution von 1848 gescheitert. Dasselbe gelte Heiner Müller zufolge ebenso für alle folgenden Versuche, einen deutschen Nationalstaat auf Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Volksherrschaft zu gründen. Die ‚deutsche Misere‘677 dauere an, vom Spartakusaufstand 1918/19 bis zum NS-Regime über die deutsche Teilung nach Gründung der Bundesrepublik und DDR 1949 bis zur Wende und Wiedervereinigung. Die Ursachen dafür lägen in der Vorherrschaft der mythischen Nibelungentreue und dem historischen Untertanengeist des deutschen Staats und Volkes.678 Unter dem Eindruck der gewaltsamen Niederschlagung der Volkaufstände in den Ostblockstaaten durch die sowjetische Armee in der DDR 1953, in Ungarn 1956, in der Tschechoslowakei 1968 und in Polen 1970 verfasste er zwischen 1953 und 1971 den „szenischen Theateressay“679 unter dem Titel Germania Tod in Berlin.680 Das kontroverse Stück wurde 1978 an den Münchener Kammerspielen uraufgeführt. Die Erstaufführung in der DDR erfolgte 1988 am Berliner Ensemble. Vor dem mythologischen und historischen Hintergrund von Hermann, dem Cheruskerfürsten, und der altdeutschen Sage von den Nibelungen zeigt es die „Stagnation“681 in der Bundesrepublik und DDR.

Das postdramatische Geschichtstheater verdichtet die rund zwei Jahrtausende andauernde Katastrophengeschichte der deutschen Selbstzerstörung auf dreizehn geschichtliche Momentaufnahmen und komponiert einen von „Fragmentation“ ← 221 | 222 → und „Anochronismus“682 geprägten „Bilderbogen“683 im „Zeitraffer“684 mit zahlreichen Ortswechseln und Zeitsprüngen, historischen und literarischen Zitaten....

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