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Text und Performanz

Eine Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht zwischen Normativität und Spiritualität

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Jörg Ballnus

Das Buch bietet den Entwurf einer Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht. Der Autor geht der Frage nach, wie ein derart zentraler Begriff wie der des Gebets an Schärfe und Kontur gewinnen kann, wenn er Gegenstand des islamischen Religionsunterrichts wird. Wo verlaufen die Grenzen in einem Unterrichtsfach, welches zwar eine res mixtae zwischen Staat und Religionsgemeinschaft ist, bezüglich des religiösen Klimas im Klassenzimmer vor dem Hintergrund des Überwältigungsverbots jedoch besondere Bedingungen an die Unterrichtenden stellt? Muslimische Schülerinnen und Schüler kommen mit heterogenen lebensweltlichen Bezügen in die Schule. All die normative Vielfalt will dann mithilfe geeigneter didaktischer Mittel in die unterrichtliche Ebene übersetzt sein. Letztlich kann ein sich all dieser Fragen bewusster islamischer Religionsunterricht seinen Anteil dazu leisten, das Gebet zwischen normativen und spirituellen Ansprüchen erfahr- und vor allem auch reflektierbar zu machen.
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4. Kapitel: Zwischen Spiritualität und Normativität

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4.1 Grundfragen muslimischer Spiritualität

Zunächst ist es wichtig, dass wir uns dem Begriff der Spiritualität nähern. In einem zweiten Schritt soll erkundet werden, inwieweit Spiritualität und Normativität eine Bindung eingehen können. Im letzten Schritt soll dann untersucht werden, wie der normative Gehalt des Gebets idealtypisch bezogen werden kann und welche Implikationen dies für die Gestaltung entsprechender Unterrichtsreihen in den verschiedenen Schulformen haben kann. Kann also neben dem “rituellen Pflichtgebet” auch von dem “spirituellen Pflichtgebet” die Rede sein? Mir gefällt die zweite Beschreibung fast besser, weil sie neben all der Ritualpraxis auch den wichtigen Bezug zur spirituellen Qualität aller Ritualität mit beschreibt. Letztlich ist ja auch die Begrifflichkeit vom “rituellen Pflichtgebet” nur eine ungefähre Einordnung dessen, was der fiqh unter den besonderen Handlungen, die mit einem takbīr und taslīm an beiden Enden Anfang und Ende finden, den terminus technicus aṣ-ṣalāt beschreiben. Gleichwohl ein drittes eintscheidendes Element zur normativen und spirituellen Ebene hinzukommen muss, das der eigenen inneren Einstellung zum Gebet und des letztlich durchgeführen selbstbestimmten Eintauchens in die Durchführung selbigens durch die Intention (nīya).

Richard Gramlich hat in einer Übersetzung zweier kleinerer Briefe des andalusischen Mystikers Ibn ʿAbbād ar-Rundī vorgestellt, die Fragen zur Islamischen Spiritualität aus dem Blickwinkel der Katholischen Theologie für ein interessiertes Publikum öffnen sollten.422 Zwei kurze Abschnitte aus dieser Übersetzung sollen uns in die Grundfrage muslimischer Spiritualität einf...

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