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Sprache und Bild in der indischen Bildungstradition

Petra Vogler

Die Autorin problematisiert die in der Moderne aufgekommene Dichotomie zwischen Sprache und Bild. Sie öffnet den Blick auf zwei Aspekte der indischen Lehr- und Lernkultur, die in der Übermittlung von Bildung wirksam waren und sind: Das vedische Bildungswesen sowie dessen tradierte und durchaus aktuelle Korrelation mit den Tempelritualen und den darstellenden Tempelkünsten. Im Zentrum stehen die nähere Beziehung zwischen Sprachlichkeit und Bildlichkeit sowie die Sichtbarmachung der performativen Gestaltung von Bildung, wie sie heute noch erhalten sind.
«In ihrer Arbeit präsentiert Petra Vogler ein hoch filigranes Muster des Performativen, des Zusammenhangs von Sprache, Bild und Handeln, von Ritualen und ihren Formen des embodiment und erscheint damit höchst zeitgemäß und direkt anschlussfähig für aktuelle Diskurse in unterschiedlichen Wissensdisziplinen.»
Prof. Dr. Jürgen Henze (Humboldt-Universität zu Berlin).
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Kommentar von Prof. Dr. Michael Witzel

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Wales Prof. of Sanskrit, Harvard University,Department of Sanskrit and Indian Studies,1 Bow Street Cambridge, Massachusetts 02138, USA:

Petra Vogler beschreibt in ihrer Arbeit zwei der wichtigsten Aspekte der indischen Kultur, die in der Übermittlung von Bildung wirksam waren und sind – nämlich die in Indien seit den Anfängen überragende Rolle der Sprache und der mündlichen Tradition sowie die der darstellenden Künste. Beide stehen in einem gewissen Spannungsverhältnis zueinander, wobei Sprache die traditionelle brahmanisch geprägte Kultur repräsentiert, Theater eine dem Volk näherstehende Tradition. Dieses Spannungsverhältnis wird am Bespiel der südindischen (dravidischen) Kultur des Bundesstaates Kerala untersucht. Dabei kommen zwangsläufig auch das Spannungsverhältnis und die Mischformen zwischen der dravidischen (Malayalam) und der indo-arischen (Sanskrit) Sprache ins Spiel.

Frau Vogler legt korrekterweise großes Gewicht auf die traditionelle Methode, zunächst oral komponierte Texte (Veda, Buddhismus, Epen) über lange Zeiträume hin nur mündlich zu überliefern, was sich in Kerala bis heute beispiellos in der dortigen Vedatradition (und den damit verbundenen großen Ritualen) erhalten hat. Besondere Bedeutung finden die komplizierten Methoden der vedischen Wissensüberlieferung. Man hat komplexe System entwickelt, genaue Aussprache zu übermitteln, was von Hand- und Kopfbewegungen zum Andeuten des Tonakzents bis hin zu ineinander verflochtenen Weisen, den Text zu rezitieren reicht (etwa nach der Methode der Echternacher Springprozession).

Die nun etwa 3000 Jahre ausmachende Geschichte der Vedainterpretation (und deren Ablehnung durch die „nichtorthodoxen” Systeme wie Buddhismus Janismus,...

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