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Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

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Edited By Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.
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2 Theoretischer und praktischer Hintergrund

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2.1 Rechtsgrundlagen

Jede psychologisch-gutachterliche Tätigkeit setzt Sachverstand in dem Bereich voraus, auf den sich der gutachterliche Auftrag bezieht. Bei Gutachten, die von Familiengerichten beauftrabetrifft dies neben den spezifischen psychologischen Inhaltsbereichen (z. B. Entwicklungspsychologie, Familienpsychologie) und vertieften psychologisch-diagnostischen Kenntnissen vor allem umfassendes Wissen über die Gesetzesgrundlagen, die den Rahmen abstecken, in dem familienrechtspsychologische Begutachtungen erfolgen. Gesetzliche Regelungen, die bei Fragen zur elterlichen Sorge, zum Umgang, zur Erziehungsfähigkeit oder zur Kindeswohlgefährdung relevant sind, finden sich an verschiedenen Stellen des Rechtssystems (Oberloskamp, 2012). Rechtsbegriffe wie Familie, Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung oder elterliche Sorge werden dort eingeführt und sind in ihrer rechtlichen Ausgestaltung verbindlich für die Verwendung durch psychologische Sachverständige. Der Gesetzgeber hat außerdem Regelungen hinsichtlich des gerichtlichen Verfahrens in Familiensachen getroffen, die in Teilen die Arbeit psychologischer Sachverständiger in diesem Rechtsbereich betreffen. Ebenso ist die psychologisch-gutachterliche Tätigkeit selbst, unabhängig von den konkreten Inhalten, eingebettet in eine Reihe von ethischen und gesetzlichen Vorgaben.

2.1.1 Begriffsdefinitionen: Familie, Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung, Umgang, Sorge

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