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Die Wallonie und Brüssel

Eine Bestandsaufnahme

Series:

Anne Begenat-Neuschäfer and Marieke Gillessen

Das Buch stellt erstmals die Föderation Wallonie-Brüssel, die Wallonische Region und die Französische Gemeinschaft Belgiens einem deutschen Publikum vor und führt in wesentliche Aspekte des öffentlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens ein. Neben Bereichen wie Sprache, Literatur, Film, Comic und Wissenschaftsaustausch beleuchtet es auch die Verfassungsreformen aus aktueller Perspektive. Die Autoren erweitern und vervollständigen Themen, die bereits im ersten Band der Reihe «Belgien im Fokus» angesprochen wurden. Ein weiterer Band behandelt die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens.
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Belgien im Fokus – Geschichte Sprachen Kulturen

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Mit dieser Reihe wird Belgien in den Blick genommen, das seit 1993 als Föderalstaat einen ganz eigenen Weg eingeschlagen hat. Seit seiner Gründung 1830/31 hat es eine beispielhafte Entwicklung weg vom ursprünglichen „unitaristischen Zentralstaat“ durchlaufen, seine gemeinsame künftige Staatsform ist mit der Aufteilung der Kompetenzen auf Gemeinschaften und Regionen ständigen, bisweilen überraschenden Entwicklungen unterworfen. Im Austarieren regionaler Kompetenzen im nationalen Verbund behauptet sich dieses kleine Land „dazwischen“ in einer führenden Rolle im europäischen Einigungsprozess.

Seine nationale Gründung, die auf napoleonischem Fundament ruhte, hat sich aus eigenem Antrieb konsequent eine dezentralisierte Staatsform gegeben und steht damit jenseits der großen europäischen Staatsformen, wie sie von Deutschland oder Italien einerseits und Frankreich andererseits modellhaft herausgebildet wurden. Die Wandlungen haben sich scheinbar lautlos vollzogen und sind doch von entscheidender Bedeutung für weitergehende Entwicklungen im vereinten Europa, wo es in größerem Maß um das Miteinander unterschiedlicher historischer, kultureller und sprachlicher Traditionen geht.

Bisher sprach man, wenn man Belgien jenseits stereotyper Wahrnehmungsmuster betrachtet, vom „Laboratorium Europas“, in dem Konsens, Konvivialität und Verständigungsbereitschaft bisher noch immer den sprichwörtlichen „belgischen Kompromiss“ herbeizuführen vermochten. Belgien evoziert jedoch auch Widerspruch, Ambivalenz und Uneinheitlichkeit in der historischen und kulturellen Perzeption: Geißelte nicht Schiller im Abfall der Niederlande die Knechtung der südlichen Provinzen unter der spanischen Krone, denen die sieben nördlichen Provinzen als Modell für den Freiheitskampf gegenübergestellt wurden?

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