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Zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit als Folge der regelwidrigen Beeinflussung geltender Allokationskriterien im Bereich der Organzuteilung

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Christian Koppe

Das Buch wurde maßgeblich durch den im Jahr 2012 bekanntgewordenen «Organspendenskandal» inspiriert und beschäftigt sich in umfassender Weise mit den in diesem Zusammenhang stehenden strafrechtlichen Problemen. Der Autor untersucht, ob die regelwidrige Beeinflussung geltender Allokationskriterien im Bereich der Organzuteilung als strafrechtlich relevantes Verhalten zu betrachten ist.
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Kapitel Zwei: Strafrechtliche Beurteilung

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I. Ausgangslage

Liest man in Zeitschriften verschiedene Artikel oder stößt in einer Unterhaltung zufällig auf das Thema, steht das Urteil meist schnell fest und lässt sich wie folgt beschreiben: Wer einen anderen, bereits kranken Menschen willentlich von seinem Listenplatz verdrängt, weshalb dieser dann stirbt oder aber droht, zu versterben, gehört bestraft. Dass dieses Ergebnis Richtigkeit beansprucht, scheint auch der Umstand zu belegen, dass das LG Göttingen die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen neunfachen versuchten Totschlags gegen einen Arzt des Göttinger Transplantationszentrums zuließ.183 Aber ist dieses schnelle Urteil auch unter strafrechtlichen Gesichtspunkten tragbar, und wenn ja, kommen vielleicht noch andere Straftatbestände in Betracht, die von der medialen Berichterstattung bisher (bewusst) ausgeblendet wurden, aber trotzdem nicht weniger Unrecht darstellen?

Untersucht man Fälle vorliegender Art, stößt man schnell auf erste Zweifel, ob das so schnell gefundene Ergebnis auch unter juristischen Gesichtspunkten Bestand haben kann. Dabei ergeben sich bereits grundlegende Probleme, wie die genaue Identifizierung etwaiger Opfer. Sollte dies nicht möglich sein, verbliebe nur noch eine Versuchsstrafbarkeit hinsichtlich etwaiger Tötungsdelikte. Aber selbst wenn eine Feststellung der Opfer möglich sein sollte, stellt sich die Frage, wie eine „bloße“ Veränderung von Blutwerten auf dem Papier kausal für den Tod eines Menschen sein kann. Und auch wenn die Beantwortung der Frage gelingen sollte, so stünde immer noch das Problem des Vorsatzes im Raum. Schließlich wollte der angeklagte Arzt letztlich nur helfen und nicht...

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