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Samuel Becketts paradoxe Negativität in den Romanen «Molloy», «Malone Dies» und «The Unnamable»

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Rüdiger Hillgärtner

Die Untersuchung folgt den Andeutungen einer negativen Anthropologie in den drei Romanen Becketts, die das Konzept des homo sapiens in Frage stellen. Über die Monologe eines (oder mehrerer) vielleicht wahnsinnigen Protagonisten eröffnet sich dem Leser ein Panorama des Scheiterns von Evolution und Geschichte. Das Ergebnis der Entwicklung erscheint nichtig. Zugleich erlaubt die Untersuchung der Aporien, Paradoxien und Kippfiguren die Annahme einer implizit bleibenden, ironischen Gegenperspektive. Das Nichtige mag als Gleichnis eines unvorstellbaren, ganz anderen Zustands fungieren, der indirekten Ausdruck nur mehr im beredten Schweigen fände.
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I. Leben und Schreiben –Kippfiguren der Negativität

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I.   Leben und Schreiben –Kippfiguren der Negativität

Abstract: Beckett’s crisis of consciousness and religious belief. Rejection of the theodizee in favour of agnosticism. The author as social critic. Egoism, self and the aporias of self-negation. The influence of Schopenhauer’s philosophical nihilism. The turn to negative aesthetics. A paradoxical quest for salvation.

Unter dem Einfluss akademischer Lehre und kritischer Lektüre wird Samuel Beckett, Student am Trinity College, Dublin, in den 1920er Jahren zum Agnostiker. Er entfernt sich von dem protestantischen Milieu des Elternhauses, ohne sich jemals ganz davon lösen zu können.1 Zum Verlust des Glaubens tragen weitere Erfahrungen bei. Eine Gesellschaft, die sich mit Elend und Leid, mit einer ungleichen Verteilung von Besitz und Chancen abfindet, scheint ihm ohne Legitimation. Dass die Zustände von kirchlicher Seite mit Verweis auf Erbsünde und den unerforschlichen Ratschluss Gottes hingenommen werden, empört ihn. Beckett erscheint der biblische Gott als grausam und ungerecht. Die klerikale Verklärung des Bestehenden im Rahmen der Theodizee, die Rechtfertigung des Leidens als moralischer Wert, als läuternde Vorbereitung auf das Gericht, betrachtet er als verlogen, zynisch und pervers.

Was er um sich herum beobachtet, treibt Beckett in Depressionen. Er begehrt gegen Zustände auf, die ihm chaotisch und sinnlos erscheinen, die er jedoch nicht zu ändern vermag. Er will am Gegebenen nicht teilnehmen, ohne indessen sich ihm ganz entziehen zu können. In der Tendenz verweigert er, unter den aktuellen Umständen leben...

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