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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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7. Erinnerung und Wiederholung

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Alltäglich erscheint uns die Erinnerung des Üblichen als das Verinnerlichen des Gewohnten, als das Immer-gleiche, als das immer Wiederkehrende, als das sich Wiederholende, Eingeschliffene. In unserer Erinnerung hat daher die Wiederholung einen schweren Stand. Langeweile kommt auf, wenn wir an die Wiederholung denken: Wiederholung das ist alltägliche Monotonie, der Trott der Gewohnheit, das Stereotype, das Uneigentliche, das Ewig-Gleiche, das Immer-schon-und-immer-wieder Daseiende, das Ordentliche, Geregelte, ja Verregelte, das Vorhersehbare, das Unausweichliche. Die Wiederholung erscheint gespenstisch, Nichttote gehen um. Sehnsucht nach vorn wird in der Wiederholung verzehrt von der Sehnsucht nach hinten. Das Gespenstische der Wiederholung brandmarkte Bloch daher als nachtgeweihten Anamnesiszwang. Mit den Gespenstern kehren Idole, Zerrbilder wieder, die die Welt verdunkeln, unheimlich machen, die uns bedrohen, die uns in ihrer Düsternis zu verschlingen drohen.

Betrachtet man die Erinnerung im Banne des alltäglich Wiederholenden, dann erscheint sie als das immer je schon Gewesene, als das rückwärts Wiederholte, dem die eigentliche Wiederholung als das nach vorwärts Erinnerte gegenübersteht.

Die Erinnerung, steht sie im Bann der alltäglichen Wiederholung, die dem Besorgen entspringt, erscheint als das Gewohnte, Ewiggleiche, Tote, während der eigentlichen Wiederholung doch die Zukunft gehört. Die Erinnerung ist anscheinend der abschließende Blick zurück und die Wiederholung ist der öffnende Blick nach vorn. Die Erinnerung, folgen wir zunächst Kierkegaard weiter, bedeutet Hoffnungsverlust und mit der Wiederholung scheint Hoffnung auf.1

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