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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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21. Schmerzlust und Schmerzrausch

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Der Schmerz trifft uns, wir werden getroffen vom Einbruch der Unlust in unser Leben, vom Ereignis der Unlust, das eine Wende, eine Umkehr in unserem Leben bedeutet kann. Der Schmerz ist ein Bruch mit dem lustvoll dahin strömenden (glücklichen) Leben, er ist ein Riss, der wütend machen kann, wenn ein freudiger Geist von einem schmerzen Körper geschlagen wird und der uns die Differenz von Lust und Unlust, von Sinn und Sinnlichkeit, von Geist und Körper vergegenwärtigt.

Der Schmerz lässt uns einerseits eine Differenz zwischen Ich und Leib erfahren und durch diese Differenzerfahrung scheint er eine Aufteilung unserer ursprünglichen Leib-Geist-Einheit in die Differenz von Subjekt und Objekt der Körper-Bewusstseins-Vorstellungswelt zu befördern. Aber der Schmerz vermag auch, die Subjekt-Objekt-Verhältnisse der Leibvorstellungswelt zu durchbrechen. Denn ab einer bestimmten Intensität übersteigt der Schmerz die noch mögliche Unterscheidung von Subjekt und Objekt. Es gibt Grade des Schmerzes, die die Zweiteilung der instrumentellen Schmerzhandhabung in Subjekt und Objekt transzendieren und damit die Möglichkeit bieten, das Andere des Körper-Ichs, das nicht in dessen Verfüglichkeit liegt, es aber begründet, zu erfahren.

Bestimmte Grade des Schmerzes führen zu einer Transzendenzerfahrung, zu einer Verschmelzung mit dem Anderen der vorstellbaren Körperwelt derart, dass durch sie die Subjekt-Objekt-Spaltung der Vorstellungswelt aufgehoben wird durch eine entdifferenzierende Identifikation mit dem Anderen, durch die man im Schmerz aufgeht.1

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