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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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26. Hoffnung, Lebenskunst und Geschichte (Sehnsucht pragmatisch)

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Was ist überhaupt Hoffnung? Was verstehen wir unter Hoffnung?

Hoffnung ist die Er-Innerung im Sinne des Eingedenkens des Zukünftigen. Diese positive Form der Erinnerung des Zukünftigen ist mit dem Erwarten des möglichen Guten verbunden.1 Hoffnung ist das Erwarten des Ereignisses, das uns erlöst. Aber weil sie Hoffnung auf das positive Ereignis geht, kann sie auch enttäuscht werden, wie das Ereignis auch ausbleiben kann. Die Hoffnung zielt auf das Not-wendige, nicht auf das Kausale. Das Kausale ist nicht das Not-wendige, wie ein Grund nicht mit einer Ursache identisch ist.

Hoffnung beruht auf der Gewissheit, dass es im „Wurzeldunkel des gelebten Augenblicks“ ein zukünftiges „urgutes Sein“ gibt.2 Aber ob das mögliche Ur-Gute, das Heilende, das Heilbringende verwirklicht wird, ist immer in gewissem Grade ungewiss. Ungewiss bleibt nämlich immer das Ankommen des Auf-uns-Zukommenden. Das Ur-Gute bleibt also immer unplanbares Ereignis und kann nur bedingt planbares Ziel sein. Die mit dem Ereignis verbundene Ungewissheit kann sich über den Zweifel bis hin zur Angst ins Unerträgliche und Unaushaltbarste steigern, was Menschen dazu verführen kann, für ihren Wunsch nach Sicherheit, selbst die eigene Freiheit aufzugeben und statt sich selbst zu bestimmen, sich von anderen fremd bestimmen zu lassen.

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