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Energetisches Regionalisieren

Transformationspraktiken der Energiewende am Beispiel der Biogaserzeugung

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Fabian Faller

Die Energiewende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Die räumlichen Aspekte dieser sozio-technischen Transformation sind Gegenstand der vorliegenden Studie, die sich auf die Bioenergieerzeugung im deutsch-luxemburgischen Grenzraum konzentriert. Inspiriert von der Praktikenforschung rücken routinierte und improvisierte soziale Handlungen der Betreiber von Biogasanlagen in den Mittelpunkt. Die Untersuchungsergebnisse decken die Routinen der Biogaserzeuger auf und zeigen, wie durch energetisches Regionalisieren die räumlichen Kontexte der Energiewende hervorgebracht und verändert werden. Damit rückt der Autor erstmals Praktiken der Energieerzeugung in den Forschungsfokus und legt zugleich einen innovativen Ansatz für deren Erforschung vor.
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3 Theoretisch-konzeptioneller Rahmen

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Ein Kernbegriff und zugleich der zentrale Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist „energetisches Regionalisieren“. Damit werden Praktiken bezeichnet, welche die Wirtschaft im Kontext der Energieversorgung und ihre Geographie konstituieren. Die unterschiedlichen Konstitutionen umfassen Konstruktionen, Produktionen, Reproduktionen und Transformationen. Im Folgenden werden die Verbindungslinien und Konstitutionsmodi der Begriffe Praxis, Energiewirtschaft1 und Geographie diskutiert. Dabei werden in einem ersten Schritt verschiedene praxistheoretische Zugänge vorgestellt. Bei diesen Ausführungen geht es nicht darum, einen vertieften Überblick zu geben, sondern ein Verständnis von Praktiken herauszuarbeiten, das für die Erforschung energetischen Regionalisierens zielführend ist. Im zweiten Schritt wird die Transformationsforschung als Heuristik diskutiert, die gerade für die evolutionäre Dimension der Energiewende einen fruchtbaren Anknüpfungspunkt anbietet. Danach wird das Konzept des energetischen Regionalisierens dargelegt, das die benannten Verbindungslinien herstellt.

3.1 Praktikenforschung in der Wirtschaftsgeographie

Seit Anfang der 2000er Jahre wird in der Wirtschaftsgeographie vermehrt über Praktiken diskutiert. Dabei rücken vor allem solche Praktiken in den Fokus, die sich mit Themen beschäftigen wie Lernen und Innovation (Faulconbridge, 2006; Gertler, 2003; Hall, 2009), industrielle Organisation und Routinen (Bathelt/Malmberg/Maskell, 2004; Glückler, 2007; James, 2007; Pain, 2008; Radwan/Kinder, 2013; Yeung, 2003), Märkte und Marktkonstitution (Berndt/Boeckler, 2009; Ouma, 2012), Netzwerke und Globalisierung (Amin, 2002; Hess, 2004; Jones, 2008), alltägliche Haushalts- und Konsumentenpraktiken (McMeekin/Southerton, 2012; Shove/Walker, 2010) oder livelihood Strategien, Entwicklungsforschung, Genderfragen sowie neoliberaler Governance (vgl. Jones/Murphy, ← 51 | 52 →2010). Im Kern dieser Auseinandersetzung stehen konstitutive, kontingente, transformative, subversive, improvisierte oder auch unvorhersehbare Praktiken.

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