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Glücksspiele

Eine verhaltens- und gesundheitsökonomische Analyse mit rechtspolitischen Empfehlungen

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Ingo Fiedler

Der Autor analysiert den Glücksspielmarkt in Deutschland umfassend theoretisch und empirisch und stellt seinen Nutzen den Kosten für die Gesellschaft gegenüber. Obwohl jeder Zweite gelegentlich an Glücksspielen teilnimmt, basiert das Geschäftsmodell der Anbieter auf einer kleinen Gruppe Spielsüchtiger. So stammen bei Spielautomaten sieben von zehn Euro von Abhängigen, die ihr Spielverhalten nicht kontrollieren können. Der Autor beziffert den gesamtgesellschaftlichen Schaden aus dem Glücksspielangebot in Deutschland und belegt die Notwendigkeit gesetzgeberischer Änderungen. Er empfiehlt ein Verbot des gewerblichen Automatenspiels und eine Abkehr von nutzlosen Sozialkonzepten.
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5 Methodik: Soziale Kosten, sozialer Nutzen und Wohlfahrt

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Glücksspiele sind seit jeher eine umstrittene und angefeindete Beschäftigung. Bis zum 19. Jahrhundert bestand die Kritik an Glücksspielen vornehmlich aus den beiden Punkten der Irrationalität sowie der Sündhaftigkeit [Reith, 2007, S. 5]. Glücksspiele wurden als wertlose, nutzlose und von der Norm abweichende Tätigkeit verstanden, vor allem wenn ärmere Bevölkerungsschichten involviert waren [Reith, 2007, S. 4]. Aus religiöser, insbesondere protestantischer Sicht, wurde das Glücksspiel als sündhaft angesehen, da es die Arbeitsmoral untergrabe, wenn Leistung und Gegenleistung nicht miteinander verknüpft sind, sondern der Zufall maßgeblich für das Meritum ist [Reith, 2007, S. 4]. Das Prinzip der Leistungsgesellschaft werde damit gestört. So argumentierte 1899 auch Thorstein Veblen, der ausführte, dass Glücksspiele das Verständnis von Ursache-Wirkungsbeziehungen untergrabe, entsprechend die Gesellschaft durch Glücksspiele verdumme und die industrielle Produktion zurückginge [Veblen, 1899] (zitiert nach [Eadington, 1999]). Aus säkularer Sicht wurde vor allem die „offensichtliche“ Irrationalität bei Glücksspielern, zum Beispiel dem Glauben an mystische Kräfte wie dem Schicksal, kritisch betrachtet, die dem Ideal der menschlichen Ratio entgegenstehen [Reith, 2007, S. 5]. Erst mit Beginn der Industrialisierung begann die Kritik sich auch auf das einzelne Individuum zu fokussieren, insbesondere auf die moralischen Vorstellungen des Glücksspielers, welche man durch individualpsychologische Ansätze zu erklären versuchte [Reith, 2007, S. 5].

Damit auf die Jahrtausende alte Frage nach der angemessenen Regelung von Glücksspielen eine Antwort gegeben werden kann, müssen...

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