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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Der Geist der Übersetzung. Wien als Paradigma der translationalen Stadt in Gérard de Nervals Pandora

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← 166 | 167 →Daniel Lange

Im Winter 1839/40 lebt Gérard de Nerval für einige Wochen in Wien. Anschließend verfasst er eine Reihe von Berichten unter dem Titel Les Amours de Vienne, die in französischen Zeitschriften publiziert werden. Aus ungeklärten Gründen wendet sich Nerval 1853/54 in der Erzählung Pandora von Frankreich aus erneut der österreichischen Hauptstadt zu. Nach dem Selbstmord Nervals 1855 kann nur der erste Teil davon 1854 publiziert werden. Seit 1968 gibt es auf Basis verschiedener Manuskripte, zuletzt des 2004 gefundenen Manuskripts „Clémens“, Ansätze zu einer Rekonstruktion der Pandora.1

„C’était bien à elle, peut-être, – à elle, en vérité, – que pouvait s’appliquer l’indéchiffrable énigme gravée sur la pierre de Bologne: AELIA LAELIA. […] Enfin, la Pandora, c’est tout dire, – car je ne veux pas dire tout.”2 Neben das „peut-être“ wird, herausgehoben aus dem Satz durch Gedankenstriche, das „à elle, en vérité“ geschoben: Doch Wahrscheinlichkeit und Wahrheit folgen unterschiedlichen Ideologien. Die vehemente Geste der Gedankenstriche, mit der das „en vérité“ in den Satz einbricht, wirkt, als ob eine andere Stimme sich äußere und die eine widerrufe. Ein ähnlicher Riss, der die Instanz des Sprechers aufbricht – ebenfalls graphisch markiert – durchzieht auch den zweiten Teil des Zitats, in dem der Akt, das ist zugleich der Ort – la Pandora – dieser kompletten Äußerung („la Pandora, c’est tout dire“), mit dem Willen – jetzt eines Ichs! – begründet wird, gerade nicht alles zu sagen. Diese Konstellation wird durch...

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