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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wien im Roman Malina. Ingeborg Bachmanns „Röntgenbild der Stadt“

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← 220 | 221 →Barbara Agnese

Maria, die Römerin sein will, gleichzeitig Wienerin und aus diesem gefährlichen Gefühls-und Geisteszustand heraus ihre großen Dichtungen schreibt, dachte ich.(Thomas Bernhard)

Nach dem Erscheinen von Malina im Jahre 1971 geht Bachmann in einem Interview mit Ilse Heim auf mehrere wichtige Ebenen ihres Romans ein und ergreift die Gelegenheit, um zu präzisieren, was freiwilliges Exil für sie bedeutet. Vom Wortlaut der Frage ausgehend („Sie haben eine ungemein starke Bindung an Österreich, eine Haßliebe, wenn ich an das Bild der Wiener Gesellschaft in ihrem Roman denke?“) und die Formulierung „starke Bindung“ kritisierend, schlägt Bachmann eine unmittelbare Brücke zum intellektuellen und emotionalen Verhältnis des Schreibenden zur „Heimat“:1

Es ist eine Bindung, die ich mir nicht hab’ aussuchen können. Das ist einfach gegeben, weil ich von dorther komme. In der großen Literatur gibt es viele Beispiele für das, was Sie „Verbundenheit“ nennen – ich würde es nennen: nichts anderes besitzen als das. Wenn man denkt, daß James Joyce fast sein ganzes Leben in Italien verbracht hat, und am Ende ist es doch ein einziger Hymnus auf Dublin, und er hat Irland weiß Gott nicht geliebt!2

Die „Distanz“, die Heim im Laufe des Interviews als Voraussetzung für die Entstehung des Buches suggeriert, definiert Bachmann als „Doppelleben“, aus dem heraus, mit „Stadtplänen und allen möglichen Dingen“, und vor allem mit Musik ← 221 | 222 →arbeitend, der...

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