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Werte im Literaturunterricht

Entwicklungspsychologische Grundlagen, professionelles Lehrverhalten, methodische Schritte zur Arbeit in heterogenen Gruppen

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Joachim Schulze-Bergmann

Mit der Behandlung literarischer Texte im Schulunterricht werden Wertvorstellungen vermittelt, deren Wahrnehmung und Verständnis von entwicklungspsychologischen Voraussetzungen abhängig ist. Die Geltungsansprüche dieser Handlungsimperative können in einer Lerngruppe unterschiedlich wirksam sein und zu Kontroversen führen – das 4-Phasen-Modell von Kreft sichert hier den methodischen Rahmen für eine geleitete Erschließung von normativen Textinhalten. Dennoch erwirbt weniger als ein Viertel eines Jahrgangs eine literar-ästhetische Kompetenz, es wird deshalb ein Kurssystem nach finnischem oder neuseeländischem Vorbild vorgeschlagen.
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Kapitel 6

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6. Ausblick

Kreft hat vor etwa 40 Jahren weder die Organisation von ‚Deutsch als Zweitsprache‘ thematisiert, noch vorausgesehen, welche normativen Probleme bei der Behandlung von erzählender Literatur durch die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund zu erwarten sind. Zudem konnte er nicht erahnen, wie die digitalen Medien sich entwickeln würden. Ebenfalls war ihm nicht bewusst, in welchem Ausmaß die individuellen Lerntempi die gemeinsame Beschulung als unangemessen erkennen lassen, noch konnte er die These belegen, nach der die Bildungsangebote als das wesentliche Agens der moralischen Urteilsentwicklung anzusehen sind. Deshalb sind diese fachlichen und politisch-strategischen Entscheidungen in seinen Veröffentlichungen nicht diskutiert worden.

Im Rahmen der aktuellen Diskussion um die Ziele und Methoden des Literaturunterrichts hält K. H. Spinner im Jahr 2004 anlässlich der Entgegennahme des Erhard-Friedrich-Preises eine viel beachtete Rede mit dem Titel ‚Der standardisierte Schüler‘ und wendet sich emphatisch gegen den durch PISA ausgelösten Zugriff der Kultusbürokratie auf die Inhalte und Aufgaben des Faches Deutsch.219 Spinner betont, dass die Subjektivität des Schülers nicht messbar sei und dass deswegen Aufgaben gestellt würden, die eine messbare Antwortqualität erwarten ließen. Der Blick auf die Schülerschaft im Ganzen sei geprägt von der Vorstellung, dass ‚alle Schüler die gleichen Standards erreichen‘, Vielfalt, so Spinner, werde nicht positiv gesehen. Aber obwohl die großen internationalen Schulleistungstests nicht als individuelle Tests konzipiert seien, würden sie ‚unreflektiert auf die Beurteilung einzelner Schülerinnen...

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