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Sozialbewusstsein

Ursprung, Exegese und die Beziehung zum theoretischen Bewusstsein

Sander Wilkens

Sander Wilkens widmet sich in umfassender Weise dem Sozialbewusstsein, welches die Neuzeit charakterisiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stehen sich zwei Richtungen diametral gegenüber: der Behaviorismus, der es in seiner Eigenständigkeit leugnet, und das gemeinschaftliche Bewusstsein in der Soziologie. Zentrale Themen des Buches sind u. a. die neuzeitliche Klausel der Vereinzelung als fehlbare Abstraktion; instantane, nicht nur reflexive oder kommunikationsbedingte Teilhabe der Vorstellungen und Gedanken; konzentriertes Bewusstsein als realer Fokus/Herd; die Umkehrbarkeit der Perspektive; das gemeinschaftliche Bewusstsein als Sozialbewusstsein.
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Synthesis

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„[…] nie warst du müßig, immer mit hohen Gedanken beschäftigt, immer in der Musen Gesellschaft, nie allein“ (Petrarca, Secretum, hier Augustinus).

I. Einführung in den Umkreis der neuen Terminologie

Der Begriff ist alt, ehrwürdig und mehrfach verschwistert. Wegen seiner langen Geschichte zudem äußerst verwickelt, so dass er fast nur noch Autor für Autor zu erläutern ist. Zeitweilig stand er im Ruf, man könne ihn als ein Pendant der Analysis – die einfache Umkehrung – beihalten, aber diese Möglichkeit, auch wenn sie den Stegreif des Verständnisses beherrscht, bietet sich, wenn überhaupt, nur bei idealen oder Gegenständen, die sich nahe an der Mathematik und mathematischen Auflösung betätigen. Seit Kant das Verhältnis in eine deutliche Asymmetrie versetzt hat, bestand eine Zeitlang die Erwartung, die Synthesis könne im konträren Feld, dem Nicht-Mathematischen, gleichwohl eine Bürgschaft des Apriori tragen. Die berühmtere Frage hat die Rezeption – im Gesamtumfeld der historischen Entwicklung – inzwischen gespalten, indem das Fundament der Sprache und des Urteilens in diese Rolle übergegangen ist. Insoweit es gilt, eine apriorisch veranlagte Logik zu erklären, kommt daher nicht das Bewusstsein nach seiner transzendentalen Verfasstheit in Betracht, sondern die Bedingungen und Konsequenzen des Pendants zur Tafel der Kategorien, die Urteilstafel. Freilich bedarf diese keiner besonderen Umsicht im Gebiet von Analysis und/oder Synthesis, da, was ein Urteil ausmacht und zusammenbringt, nicht mehr an einer eigentümlichen, sich selbstständig zeigenden Kraft nachzuweisen ist – noch vor der...

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