Show Less
Restricted access

Kinder können fliegen

Leben mit Kindern – Im Gespräch mit Janusz Korczak

Gunda Schneider

Die Autorin befasst sich mit dem polnischen Arzt, Pädagogen und Kinderbuchautor Janusz Korczak. In seinen Schriften beschrieb er ein Lebensverständnis, das die Freude am Leben und besonders die Freude am Leben mit Kindern weckt und Eltern und Erzieher zur Achtung vor jedem Kind als Mensch inspiriert. Mit seiner Pädagogik der Achtung bietet er keine pädagogischen Rezepte und keine Lösung für Erziehungsprobleme. Erziehen heißt vielmehr: Leben mit Kindern. Gunda Schneider-Flume hat das tägliche Leben mit ihren drei Kindern im Gespräch mit Korczaks Gedanken reflektiert: Es geht dabei nicht um Ideale, die verwirklicht, oder Vorbilder, die erreicht werden müssen, sondern um die Person der Kinder, die so anerkannt werden, dass sie sich selbst entfalten, dass sie fliegen können.
Show Summary Details
Restricted access

VII. Sterben – Tod – Endlichkeit

Extract



1. Unfassbar

Die Erfahrung von Sterben, Tod und Endlichkeit gehört auch zum Leben von Kindern, alle Tage. Geliebte Tiere sterben. Auch Kinder hören vom Tod unbekannter Menschen. Freunde verunglücken, mitunter ein Kind aus dem Kindergarten. Angst verbreitet sich. Die Eltern sind traurig, weil ein guter Freund gestorben ist. Ein junger Vater ist an einer schweren Krankheit gestorben. Kann man das verstehen? Wie soll man sich das vorstellen? Sterben alle Menschen? Wo sind sie dann, wenn sie gestorben sind? Beerdigt oder im Himmel?

Die Frage nach dem Ort versucht die Unbegreiflichkeit der Endlichkeit des Lebens zu erfassen. Das Ende unserer Zeit kann nicht gedacht werden, und das Ende eines vertrauten Menschen kann und will niemand begreifen. Deshalb wird ein Danach auf der Zeitlinie angehängt, als sei die Linie unbegrenzt. Wo sind die Toten? Im Paradies? Die Geschichte ist bekannt. „Da können wir auf dem Löwen reiten“, meint ein Vierjähriger. Das kann man ausmalen. Das Paradies – ein geheimnisvoller Ort. „Was werden die Engel sagen, wenn wir da zu dritt ankommen?“ fragt ein dreijähriger Junge seine Eltern. Er hat vom Sterben gehört, kann aber Trennung nicht denken. Nur gemeinsam dürfen einander vertraute Menschen sterben. Daher kommt auch die empörte Frage, nachdem eine Spielgefährtin aus dem Kindergarten durch einen Verkehrsunfall gestorben ist: „Warum ist die Mutter nicht mitgestorben?“ Unfassbar!

Die heile Welt zerbricht, wo der Tod ins Leben einbricht. Angst verbreitet sich. Aber Kinder...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.