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Die Rezeption der europäischen Privatrechte in China und die konfuzianische Tradition

Das Beispiel des Deliktsrechts im frühen 20. Jahrhundert

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Ruomeng Yang

Der Autor verfolgt mit seinem Buch zwei Ziele: Er zeichnet ein Bild der chinesischen Rezeptionsgeschichte am Anfang des 20. Jahrhunderts und spürt darüber hinaus den möglichen Gründen für und Einflüssen auf die Rechtsrezeption nach. Das Deliktsrecht wird von ihm als Musterbeispiel ausgewählt. Neben den Darstellungen zur chinesischen Rechtskultur und zur Rezeptionsgeschichte thematisiert und analysiert er die Interaktion zwischen dem rezipierten europäischen Recht und den chinesischen Elementen. Die Rechtsrezeptionsgeschichte in China, insbesondere die Rezeption des Deliktsrechts, versteht er keineswegs als eine einfache Kopie diverser Vorbilder. Vielmehr stellt sie einen wechselwirkenden Prozess von beiden Seiten dar.
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Kapitel 1: Einleitung

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I.Fragestellung

Max Weber hat schon darauf hingewiesen, dass die rationale Tradition des modernen europäischen Rechts auf dem Gedanken des allgemeinen abstrakten Rechts basiert.1 Als ein Beispiel dient das BGB, das vollständig auf allen Arten subjektiver Rechte basiert, um in erster Linie das Privatrecht und die Privatheit zu schützen. Was bemerkenswert ist: Sowohl die Idee der subjektiven Rechte als auch die Privatheit können kaum von der chinesischen Kultur verstanden werden.

Trotz des ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds rezipierte China seit Anfang des 20. Jahrhunderts die abendländischen Rechtsordnungen. Von der Zeit an wurde eine enge rechtsgeschichtliche Beziehung zwischen China und der westlichen Welt begonnen, wodurch die chinesischen traditionellen Ordnungen allmählich verdrängt wurden. Aber trotzdem bedeutet dies nicht, dass die abendländische rechtliche Grundlage in China geistig vollständig umgesetzt worden wäre.

Schon in den 1950er Jahren, als viele chinesische Juristen die Rechtsrezeption vom westlichen Recht in China als selbstverständlich hielten – wie den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen –, äußerte sich der berühmte chinesische Rechtswissenschaftler Wang Boqi kritisch: Alles, was durch die neue Gesetzgebung von China rezipiert worden war, sei das auf der westlichen Kultur und der Denkweise basierende Rechtssystem, während die Elemente, die auf der Ebene des Volksbewusstseins funktionierten, immer noch der traditionellen Kultur, Ethik und Gewohnheit, oder mit seinen eigenen Worten, „li-Vorschriften (lijiao zhidu 礼教制度)“, folgten. Diese beiden Strömungen seien nicht ohne Weiteres miteinander kompatibel; die Kluft dazwischen dürfte nicht ausgeglichen...

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