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Ästhetik des Schwingens

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Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
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Wahrnehmung, Erlebnishaftigkeit und modale Semiotik

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I

Wie ich im vorigen Kapitel gezeigt habe, lässt sich in letzter Zeit, insbesondere in der Neurobiologie sowie der Neuropsychologie, eine wissenschaftliche Rehabilitierung der Wahrnehmung beobachten. In der Ästhetik der Wahrnehmung findet erneut der Begriff aísthesis Verwendung,* wobei es interessanterweise nicht zu einer Revision des Erlebnis-Begriffs kommt, obwohl dieser mit der Wahrnehmung eng verbunden ist (Bühler 1965). Lediglich Georges Didi-Huberman rehabilitierte kürzlich Aby Warburgs Begriff des Nachlebens im kulturhistorischen Sinn. Gewiss, Warburgs Terminus bezeichnet bei Didi-Huberman nicht das unmittelbare Erlebnis, sondern das, was vormals ein aktuelles Erlebnis war und aus der Vergangenheit in die Gegenwart vordringt: „[…] die Eingeweide der Metro leben als die Eingeweide der Hölle fort, in den Schnorrern an der Straßenecke altertümliche Bettler“ ← 39 | 40 → (Didi-Hubermann, 2006a, 99)*. So richtet er den Blick auf „das ‚Nachleben‘ dieser paradoxen, nicht existierenden, dennoch unzerstörbaren Dinge der Zeit, die von sehr weit her kommen und unfähig sind, endgültig zu vergehen.“ (Didi-Hubermann, 2006b, 14) Auch Hans Ulrich Gumbrecht lässt den Begriff des Erlebens wieder auferstehen:

Wenn ich hingegen den Begriff Erleben gebrauche, meine ich ihn im strengen Sinn in phänomenologischer Tradition, also im Sinn der fokussierten Betrachtung oder Thematisierung bestimmter Gegenstände des Erlebens. […] Das Erleben setzt voraus, daß einerseits eine rein physische Wahrnehmung bereits stattgefunden hat und daß, andererseits, eine aus Akten der Weltinterpretation resultierende Erfahrung darauf folgen wird (Gumbrecht 2004, 120f.).

Im aktuellen Kontext der Ästhetik der Wahrnehmung ist es...

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