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Ästhetik des Schwingens

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Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
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Vorwort

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Anfang der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts begann ich mit der Erforschung dynamischer, nichtlinearer Prozesse in der Literatur. Ausgehend von Oskár Čepans Überlegungen zu Pluralität und Zufälligkeit in literarischen Prozessen, welche die Archäologie eines literarischen Gedächtnisses bilden, dem Konzept vom offenen Sinn des Werks der jüngeren Generation der tschechischen Strukturalisten, welches Umberto Eco in systematische semiotische Formen unterschied, sowie Jurij Lotmans Modell der dynamischen Prozesse als Grundlage der Kultur, stützte ich mich dabei auf die Konzeption nichtlinearer Prozesse Ilya Prigogines, die Theorie synergetischer Prozesse Hermann Hakens sowie auf Untersuchungen zu Zufall und Chaos von Manfred Eigen, Fritjof Capra und James Gleick. Als gemeinsamen Nenner für diese analytischen Betrachtungen verwendete ich den Begriff der Kreativität der Literatur. Die Ergebnisse dieser Arbeit fasste ich 1990 in der Publikation „Tvorivosť literatúry“ [Kreativität der Literatur] zusammen. Der Begriff der Kreativität hatte für mich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht allein eine literaturtheoretische Bedeutung, ich setzte ihn damals auch der Rigidität offizieller theoretischer Überlegungen in der Tschechoslowakei der siebziger und achtziger Jahre entgegen.

Zu Beginn der neunziger Jahre wurde mir bewusst, dass sich nichtlineare Prozesse in Literatur und Kultur als Oszillation, Resonanz, ein Pulsieren charakterisieren lassen, und dass der Begriff der Kreativität sich als allzu optimistisch darstellt, da er nur aus einer kreativen Reaktion auf die große semiotische Krise hervorgeht. Meine zweite theoretische Publikation nannte ich daher „Pulzovanie literatúry“ [Pulsieren der Literatur] (1993). Darüber...

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