Show Less
Restricted access

Geschichte: Eine Theorie

Karl Heinz Metz

Um eine globale Dimension zu gewinnen, muss moderne Geschichtswissenschaft theoriefähig sein. Der Autor versteht sein Buch als eine Aufforderung zum Denken, als einen Versuch, ausgehend von der Theoriefähigkeit historischen Wissens, die Ausbildung einer historischen Intelligenz zu befördern, die unabdingbar eine kritische sein muss. Das hier vorgeschlagene Konzept einer Historie, die sich zur Theorie hin weitet, entspricht einem neuen Paradigma des forschenden Umgangs mit Vergangenheit, also einer Fortbildung des Wissens zum Denken. Fünf Schritte sind dabei wesentlich: Die Frage nach dem Ort der Geschichte im Wissen, nach ihrer Theorie, nach der Philosophie als Alternative, nach der Zivilisation, schließlich die Frage nach der Person des Historikers selbst.
Show Summary Details
Restricted access

5 Minima historia

Extract

5Minima historia

5.1Anamnesis

Dass die Menschen „Geschichte“ haben hat damit zu tun, dass jeder eine Geschichte hat. Er weiß, wer er ist, sofern er sich erzählen kann. Die Erinnerung nennt das Besondere vor dem Allgemeinen, also das, was „Ich“ ist vor dem, was „die Anderen“ waren. Wir erinnern, indem wir deuten und das einzige, was zu fordern wäre ist, nicht zu lügen. Für die historische Erkenntnis bedeutet dies, dass die Erfahrungen der eigenen kleinen Geschichte Fragen inspirieren, provozieren, die an die große Geschichte der Anderen gerichtet werden. Im Erzählen der eigenen Geschichte realisiert ein Mensch seine Geschichtlichkeit als Möglichkeit wie Begrenztheit. Über die eigene Geschichte nachzudenken heißt, sich über die Möglichkeit und Begrenztheit des eigenen Fragens klar zu werden: Man muss den Mut haben, anzufangen. Man muss den Mut haben, aufzuhören. Das ist alles.

1 – Eine frühe Erinnerung, um 1952. Soldaten auf braunen Lastwagen, die Kaugummis herunterwarfen. Kinder rannten ihnen nach und lasen sie von der Straße auf. Ich rannte nie und verabscheue Kaugummis bis zum heutigen Tag. Aber ich verstand: Die Soldaten waren mächtig, sie saßen auf den Lastwagen und die Kinder bettelten sie an, die Erwachsenen jedoch schienen voller Furcht. Ich begriff, dass da Herren waren und dass wir nicht dazugehörten. Und ich begriff, dass das mit Gewalt zu tun hatte, dass die Soldaten „Gewalt“ waren, auf ihren Lastwagen, mit ihren Gewehren, und dass alle, die auf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.