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Exil – Transfer – Gedächtnis / Exil – Transfert – Mémoire

Deutsch-französische Blickwechsel / Regards croisés franco-allemands

Edited By Marion Picker and Dorothee Kimmich

Die Beiträge dieses Bandes verbindet die Überzeugung, dass die deutsch-französischen Verhältnisse nicht in Begriffen wie Identität und Differenz abgehandelt werden können. Ihre Analysen zeigen, wie sich das Exil in eine begrüßte Lebensform verwandeln, mit Mobilität verschwimmen und sogar Verbrecher schützen kann. Anstatt mit «Transfer» ökonomische Tauschprozesse zu beschreiben, betonen sie Komponenten von transkulturellen Übertragungen wie Schwellenbewusstsein und Zeugenschaft.
Die von Marion Picker und Dorothee Kimmich versammelten Beiträge ehren den deutsch-französischen Germanisten Thomas Keller. Dorothee Kimmich und Thomas Keller haben gemeinsam den Studiengang Interkulturelle Deutsch-Französische Studien (Aix-en-Provence – Tübingen) betreut.
Une commune conviction unit les dix-sept contributions ici présentées : refuser d’appréhender les interactions franco-allemandes en termes d'identité et de différence. Leurs analyses montrent comment l'exil peut se transformer en mode de vie apprécié, transiter vers la mobilité, et assurer l’asile, non seulement aux réfugiés mais aux fugitifs en général. Elles s’attachent aux transmissions transculturelles asymétriques en valorisant le seuil, le garant et le déplacement. De la fécondité de la distance. Les contributions de ce recueil, rassemblées par Marion Picker et Dorothee Kimmich, honorent les travaux du germaniste franco-allemand Thomas Keller, qui a dirigé avec celle-ci le cursus intégré « Aire Interculturelle Franco-Allemande » (Aix-en-Provence – Tübingen).
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Gebrochene Herkünfte: Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche

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Heinrich Heine und Friedrich Nietzsche Seite an Seite zu stellen, mag nicht selbstverständlich, vielleicht sogar eher befremdlich erscheinen – nicht nur, weil der eine unter die Dichter, der andere unter die Philosophen fällt, sondern vor allem deshalb, weil ihrer beider Rezeption von den Antagonismen politischer Zuordnungen gezeichnet ist. Von den Zeitgenossen eher unverstanden, sorgte die Einordnung in politische Lager dafür, die Beunruhigung stillzustellen, die von Heines wie Nietzsches ausgeprägter Neigung zu rückhaltloser Kritik und ironischer Selbstbefragung provoziert werden könnte. Heine wurde von links vereinnahmt und zum Vorläufer eines literarischen Protests im Namen der Unterdrückten promoviert, und wenn Heine dazu unpassende Ansichten formuliert hatte, so ließ sich das damit erklären, dass er die theoretische Klarheit eines Karl Marx noch nicht gewonnen hatte. Nietzsche wurde von rechts vereinnahmt, seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche diente sein Werk den völkischen Gruppen und später den Nationalsozialisten an, als ihr Bruder sich dagegen nicht mehr wehren konnte, und eben dies sorgte schließlich dafür, dass auch im postfaschistischen Deutschland Nietzsche entweder als Protonazi gelten konnte oder seinen Schriften jene wirre Zusammenhanglosigkeit bescheinigt wurde, die die Schwester bei der Herausgabe seiner Werke an den Tag gelegt hatte. In dieser Rezeptionsgeschichte liegt der Grund, warum beide in einer politischen Gegenstellung verdeutscht wurden, während dies in anderen Ländern, insbesondere in Frankreich, anders ausfiel.

Lässt man den Fundamentalismus politischer Funktionalisierungen beiseite, dann eröffnet sich der Blick für Affinitäten und...

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