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Der apokalyptische Kaiser

Die Wahrnehmung Domitians in der apokalyptischen Literatur des Frühjudentums und Urchristentums

Robert Mucha

Robert Mucha widmet sich der Person des Kaisers Domitian, die neuerdings wieder im Fokus des Forschungsinteresses steht: Nach Aufgabe der These einer domitianischen Christenverfolgung wurden einige urchristliche Texte wesentlich später datiert. Bei Analyse des apokalyptischen Schrifttums stellen sich Spätdatierungen aber als unplausibel heraus. Diese Texte ermöglichen aus der Sicht einer gesellschaftlichen Minderheit einen zusätzlichen Blick auf den Prinzipat Domitians. Vor allem die motivische Verbindung zwischen Domitian und Nero prägte das Bild vom letzten Flavier – bis in unsere Zeit. Aktuelle Fragen der Forschung, etwa nach der Datierung der Johannesapokalypse, oder warum Domitian als Christenverfolger erinnert wurde, obwohl er nie Christen verfolgen ließ, können durch diese zusätzliche Sichtweise erklärt werden.
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Teil I: Domitian und die Apokalyptik – eine inhaltliche und methodische Annäherung

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In der Forschung herrscht Uneinigkeit darüber, ob Domitian (wie es zahlreiche Quellen evozieren) ein Tyrann war oder sein erfolgreicher Prinzipat von der literarischen Nachwelt verzerrt dargestellt wurde. Um einen Eindruck von der Komplexität dieses Sachverhalts zu gewinnen, soll in diesem ersten Teil in einem methodischen Dreischritt die historische und hermeneutische Grundlage für die Analyse der christlichen Quellen hinsichtlich der Frage nach der Wahrnehmung der Herrschaft Domitians gelegt werden, die die Voraussetzung für weitergehende Fragen darstellt.

In einem ersten Kapitel wird der derzeitige Stand der Domitian-Forschung umrissen: Welche Kontexte prägten den Kaiser und die Erinnerung an ihn? – Es wird herausgestellt, dass ein konsistentes Bild des domitianischen Prinzipats nicht durch eine Fokussierung auf pagane antike Quellen allein möglich ist, was in einem zweiten Kapitel zu der Frage nach der Apokalyptik als originär christlich-jüdischem Erinnerungskreis führt. Die zeitlichen Kontexte, in denen die Apokalyptik zu verorten ist, sollen in der gebotenen Kürze dargelegt werden, um die nötigen Prämissen für die folgenden Textauslegungen aufzuzeigen. Schließlich wird in einem dritten Kapitel die Apokalyptik als Oppositionsliteratur vorgestellt. Auf der Basis der Erkenntnisse lässt sich schließlich das Textgut für die weitere Untersuchung eingrenzen.

1.Domitian – zwischen tendenziösen Bildern und historischem Befund

Theologen, Historiker und Altphilologen stehen vor einer Vielzahl von Fragen, wenn es um eine Einschätzung Kaiser Domitians im Kontext realpolitischer wie religionspolitischer Fragestellungen geht. Die Meinungen innerhalb dieses Diskurses sind so...

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