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Der apokalyptische Kaiser

Die Wahrnehmung Domitians in der apokalyptischen Literatur des Frühjudentums und Urchristentums

Robert Mucha

Robert Mucha widmet sich der Person des Kaisers Domitian, die neuerdings wieder im Fokus des Forschungsinteresses steht: Nach Aufgabe der These einer domitianischen Christenverfolgung wurden einige urchristliche Texte wesentlich später datiert. Bei Analyse des apokalyptischen Schrifttums stellen sich Spätdatierungen aber als unplausibel heraus. Diese Texte ermöglichen aus der Sicht einer gesellschaftlichen Minderheit einen zusätzlichen Blick auf den Prinzipat Domitians. Vor allem die motivische Verbindung zwischen Domitian und Nero prägte das Bild vom letzten Flavier – bis in unsere Zeit. Aktuelle Fragen der Forschung, etwa nach der Datierung der Johannesapokalypse, oder warum Domitian als Christenverfolger erinnert wurde, obwohl er nie Christen verfolgen ließ, können durch diese zusätzliche Sichtweise erklärt werden.
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4.1. Einleitende Fragen und Struktur

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4.1.Einleitende Fragen und Struktur

Das vierte Esrabuch (4 Esra) erhielt seinen Namen aufgrund der Bücherzählung gemäß der Vulgata.1739 Die Textüberlieferung ist bei diesem Werk besonders ← 324 | 325 → kompliziert, da ein hebräischer Urtext vermutet wird, der ins Griechische übertragen und von dem dann wiederum eine lateinische Übersetzung erstellt wurde.1740

Die lateinische Textausgabe kann für die Untersuchung als Grundlage genommen werden, da sie einen hochwertigen und durch weite Verbreitung gut bezeugten und gesicherten Rahmen bildet.1741 Die zweimalige Übersetzung und die verschollene griechische Version werfen Fragen auf. Vielleicht ist der Untergang der griechischen Erstübersetzung auf die in der östlichen Reichshälfte auch in Bezug auf die Kanonfrage feststellbare Abwendung von der Apokalyptik zurückzuführen.1742 Die alte lateinische Textüberlieferung wurde allerdings in Bibelmanuskripten erhalten, was dazu führte, dass das Buch bis ins Mittelalter von Christen rezipiert wurde.1743

4 Esra wird gemeinhin den apokalyptischen Schriften zugeschrieben, bei denen – wie bereits dargestellt – eine große Unklarheit über formale und inhaltliche Leitmotive und -gedanken vorherrscht. Typische Elemente wie die Verwendung eines angelus interpres (z. B. 4 Esra 12,8–10) und die besonders stark ausgeprägte Zwei-Äonen-Lehre veranlassten diese Zuordnung.1744 4 Esra hat im frühen Christentum einen enormen Wirkradius entfaltet.1745

Hinsichtlich der inhaltlichen Leitgedanken ist 4 Esra ebenfalls der Apokalyptik zuzuordnen: Die (der apokalyptischen Literatur eigene) pessimistische Sicht auf die Welt, lässt sich auch an dieser Schrift festmachen.1746 4 Esra ist allerdings ← 325 | 326 → trotz der zahlreichen...

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