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Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?

Charakter, Bedeutung und Deutung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939

Edited By Christoph Koch

Der Sammelband gibt eine Antwort auf die in Politik und Wissenschaft verbreitete Totalitarismustheorie, die den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23.8.1939 als Verständigung zweier wesensverwandter Diktaturen über die Aufteilung Europas und der Welt interpretiert. Die Beiträge erhellen den tatsächlichen Charakter des Vertrags, die deutschen und die sowjetischen Motive für seinen Abschluss sowie seine Bedeutung für die militärische Niederringung des Dritten Reiches und damit für die europäische Nachkriegsordnung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Scheitern der sowjetischen Bemühungen um die Schaffung einer britisch-französisch-sowjetischen Allianz gegen die Achsenmächte und den Auswirkungen des Vertrages auf die Organisationen des antifaschistischen Widerstands.
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Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag – seine innenpolitische Wirkung und Ausbeutung

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In der dritten August-Dekade des Jahres 1939 hatte die deutsche Presse zwei The­men, die sie in Serie behandelte. Das eine, das Tag für Tag auch die Auf­ma­cher hergab, waren die Verbrechen, die in Polen und von Polen an Angehöri­gen der deutschen Minderheit begangen worden sein sollten: Ver­treibungen von Haus und Hof, Überfälle, Verhaftungen, Folterungen, heimtückische Morde. Ver­­schont würde von diesem Terror niemand, ob Mann, Frau oder Kind. Leser benötigten kein ausgeprägtes Erinnerungsvermögen um zu bemerken, daß ein Jahr zuvor in gleicher Weise über die Leiden der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei berichtet worden war. Verfertigt und geboten wurde das Schreckensbild vom slawischen Untermenschen mit dem Fazit, die Deutschen im Reich könnten nicht länger dulden, was ihren Volks­genossen jenseits der Grenze geschehe1. Die Berichte verbreiteten einen penetranten Geruch nach Krieg. Dabei war es nicht Deutschland, dessen Wehrmacht bereits den noch geheim gehaltenen Angriffsbefehl erhalten hatte, sondern es waren angeblich der polnische Staat und dessen nationalchau­vinistisch aufgeputschte Bevölke­rung, die den Krieg wollten2. Dieses Zerrbild von den Polen wurde übrigens massenwirksam bald nach ihrer Unterwerfung auch in zwei deutschen Spielfilmen ← 257 | 258 → mit erstklassiger schauspiele­rischer Besetzung geboten, die den Krieg und die inzwischen errichtete deutsche Herrschaft rechtfertigten. 1940 kam „Feinde“ in die Kinos, 1941 „Heimkehr“, ein Film, der nach dem Urteil von Elfriede Jelinek „der schlimmste Propagandaspielfilm der Nazis überhaupt“ gewesen sei.

Das zweite Thema korrespondierte mit dem...

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