Show Less
Restricted access

Literarische Bildung und Migration

Eine empirische Studie zu Lesesozialisationsprozessen bei Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund

Series:

Matthias Jakubanis

In der Studie wird der literarische Sozialisationsprozess von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund untersucht. Lehrende und Forschende, Studierende und Referendare/innen sowie Interessierte erhalten einen Einblick in ein komplexes Forschungsfeld rund um das Lesen und Literatur. Dabei werden die adoleszenten Herausforderungen der teilnehmenden Jugendlichen empirisch erforscht. Welcher Stellenwert wird dem Lesen und der Literatur beigemessen? Die Forschungsergebnisse verdeutlichen ein gewandeltes Verständnis literarischer Bildung und bieten Einblick in neue Funktionalisierungen des Lesens, die sich angesichts der zunehmenden Heterogenität in deutschen Schulklassen sowohl auf die Lehramtsausbildung, den Deutschunterricht als auch die Literaturdidaktik auswirken.
Show Summary Details
Restricted access

7. Fallstudien

Extract

7.  Fallstudien

7.1  Erstes Sample mit türkischem Migrationshintergrund

Nachfolgend werden die Untersuchungsergebnisse der insgesamt zehn Fallstudien vorgestellt. Der Erhebungszeitraum der narrativen Interviews beträgt Februar 2011 bis April 2013. Die Kurzzusammenfassungen beinhalten eine konzise Einordnung der jeweiligen Analyseergebnisse. Mittels der Biogramme soll eine biographische Kontextualisierung der Interviewpartner/innen sowie Darstellung der Interviewsituation für den/die Leser/in ermöglicht werden. Da der Umfang der immanenten narrativen Interviewteile stark variiert und die Lesbarkeit erleichtert werden soll, werden bei längeren Passagen Kürzungen vorgenommen, die jeweils gekennzeichnet sind. Sämtliche Daten liegen als immanente sowie exmanente Interviewteile in vollständig transkribierter Form vor und können elektronisch abgerufen werden (s. oben).

7.1.1 Timur

A.  Kurzzusammenfassung

Timurs literarischer Bildungsbegriff ist eng mit der partizipativen Funktion des Lesens verbunden. Das Lesen vor allem pragmatischer Literatur ermöglicht einen Mitgliedschaftsentwurf in sozialen Bezugsgruppen. Innerhalb dieser Gruppen wird einer effizienten Lesetechnik eine kompetitive Komponente zugesprochen; sie verschafft Vorteile gegenüber (langsamer lesenden) Mitschülern/innen. Das Lesen besitzt demnach bei Timur sowohl eine partizipative als auch kompetitive Funktion, indem es Mitgliedschaften herstellt und aufrechterhält beziehungsweise eine intrinsische (gegenüber der eigenen Person) und extrinsische (gegenüber der Peergroup) Leistungssteigerung ermöglicht. Ästhetisch-genussvolles Lesen oder gar eine emotionale Bezugnahme zur Literatur besitzt nur einen geringen subjektiven Wert. Lediglich im Bemühen um Selbststilisierung als Kenner kanonisierter Texte erfährt die mit Ästhetik assoziierte Literatur eine Bedeutungszunahme für den Interviewpartner.

B.  Interviewsituation und Biogramm

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.