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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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Von einem, der sich immer eingemischt hat

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Therese Hörnigk

Stefan Heym’s biography and work are exemplary for critical intellectuals in the GDR who protested against doctrinal exercise of power, driven by the reform-minded spirit. Though he did never consider to leave the country, not at least because the GDR became his major literary topic. The paper pays tribute to Heym’s personality and work based on a close intimacy to the writer and his texts.

Am 13. April des Jahres 2013 jährte sich der 100. Geburtstag Stefan Heyms, an dessen Biografie sich die Widersprüche des „Jahrhunderts der Extreme“, wie Hobsbawm es charakterisiert hatte, mit all ihren Tragödien, Hoffnungen und Illusionen nachzeichnen lassen.

Ich habe ihn das letzte Mal im Frühjahr 2001 in der Berliner Humboldt-Universität getroffen. Die Alma Mater hatte ehemalige Studenten des Jahrgangs 1933 zu einer Begegnung nach Berlin eingeladen. Unter ihnen war auch Stefan Heym, der, wie viele der hier zusammen gekommenen Alumni, Hitler-Deutschland als Jude und linksengagierter junger Mann verlassen musste. Im Foyer der Universität Unter den Linden hatten sich Menschen aus aller Herren Länder versammelt, die sich nach so vielen Jahren erstmals wieder begegnet waren. Die zumeist rüstigen Senioren standen in kleinen Gruppen Erinnerungen austauschend und diskutierend beieinander. Etwas abseits saß in einer Ecke – gestützt auf seinen Stock, den er seit einiger Zeit zur Sicherheit benutzte – auch der 88jährige Stefan Heym mit sichtlich genervtem Gesichtsausdruck neben seiner Frau Inge. Befragt nach dem Grund seines offensichtlichen...

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