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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Entschuldigung, Verzeihen und Rechtfertigung oder Monotheistische Politiken

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Auch ist die Philosophie eines jeden Volkes nur in sehr geringem Maße für ein anderes geeignet.

J.-J. Rousseau1

Wenn Gott ein Gegenstand der Liebe werden wollte, so hätte er sich zuerst des Richtens und der Gerechtigkeit begeben müssen […] Wie? Ein Gott, der die Menschen liebt, vorausgesetzt, dass sie an ihn glauben […]! Wie? eine verclausulirte Liebe […]! Eine Liebe, die nicht einmal über das Gefühl der Ehre und der gereizten Rachsucht Herr geworden ist? Wie orientalisch ist das Alles! ›Wenn ich dich liebe, was geht‹s dich an?‹

F. Nietzsche2

Im Unterschied zum Corpus des Griechischen, Römischen oder Jüdisch-Christlichen ist der Islam der vielleicht am wenigsten aufgesuchte Ort des Denkens und der Werte. Doch ohne einen wirklichen Willen zum Aufsuchen bliebe jede Absicht, einen Dialog3 (oder Trilog) zu führen, leider dem ›Dampf‹ Nietzsches näher als dem guten Willen bei Kant. Das Denken indes ist in Zukunft ganz sicher ein Denken-mit – die Folge seiner Verpflichtung als Sein-mit, und zwar des ›Mit‹ im Allgemeinen, wie es ← 41 | 42 → von der Hospitalität des späten Kant4 über das Mitsein und insbesondere das Mitdasein Heideggers5 bis hin zur Fürsorge beim späten Ricœur6 gedacht worden ist –, denn es nährt seine Wurzeln und beispiellosen Möglichkeiten in einem grundlegenden ›Aufsuchen-mit‹, wie es tief in das Gedächtnis der gegenwärtigen Menschheit eingeschrieben ist, wenn auch ohne jede Letztbegründungs-Manie und metaphysische Bevormundung, aber mit...

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