Show Less
Restricted access

Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

Series:

Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
Show Summary Details
Restricted access

Sind unsere ›Brüder‹ Demokraten? oder Demokratie und theologisch-politisches Paradigma der Brüderlichkeit

Extract



Nach einer Periode heroischer, aber instrumenteller und nur vorläufiger Aufklärung, die vom Nationalstaat – dem Ergebnis postkolonialer Unabhängigkeit – in äußerlicher Nachahmung des europäischen laizistischen Staates betrieben wurde, haben die ersten demokratischen Wahlen einer großen Mehrheit arabisch-islamischer Bevölkerungen – z. B. im nachrevolutionären Tunesien und Ägypten – die nie zuvor gekannte und unerwartete Gelegenheit geboten, erneut die theologisch-politische Jahrtausend-Debatte über die Natur des säkularen Staates zu führen: Würde er die identitäre historische Unverletzlichkeit der so genannten Umma wahren? Die kulturelle, allein durch die islamischen Quellen des Selbst bestimmte Identität ist über Nacht zum Maßstab letzter Verifikation der angemessenen Begründung jeglichen demokratischen Prozesses und jeder verfassten Charta der Menschenrechte geworden.

Bereits mehrfach hat eine schwammige Theologie den zivilen Horizont von Völkern, die schon von langen Diktatur-Perioden ermattet und wegen der Arbeitslosigkeitsprobleme niedergeschlagen waren und Sehnsucht nach positiver Freiheit hatten, verdunkelt und stattdessen ein eigenartiges Netz identitärer Anerkennungskämpfe ausgeworfen; sie hat die subjektiven, existenziellen und normativen, ohnehin nur teilweise verwirklichten Errungenschaften der modernen Rechtsperson zurückgenommen und sogar ausdrücklich in Frage gestellt: die persönlichen Rechte, das Selbstsein, die Verfügung über den eigenen Körper, das Privatleben, die moralische Autonomie oder die Freiheit der Meinungsäußerung, ja selbst die Kategorie ›Individuum‹. Paramoderne Themen wie Schleier und niqab, die Beschneidung von Jungen und Mädchen, das Stillen von Heranwachsenden, Islamophobie, Mohamed-Karikaturen, unerwünschte Bilder, militanter Laizismus, Atheismus der Eliten, die Häresie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.