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Kriminalisierung des ambulanten Gewerbes

Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik

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Juliane Tatarinov

Das Buch behandelt aus akteurszentrierter Sicht Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik im Raum Trier und Koblenz. Wer wurde unter dem Begriff «Zigeuner» verfolgt? Welche Antriebskräfte waren für die Verfolgung von «Zigeunern» vor dem Nationalsozialismus maßgebend? Nicht nur Konflikte und Schwierigkeiten der Verwaltung bei der Ausführung der sogenannten «Bekämpfung des Zigeunerunwesens» werden ausführlich behandelt, sondern die Betroffenen selbst als Akteure in den Blick genommen. Besonderes Augenmerk legt die Autorin darauf, dass die Zuschreibung weder an der Staatsangehörigkeit noch am äußeren Erscheinungsbild von Personen festgemacht wurde, sondern vielmehr Personen betraf, die prekären ambulanten Erwerbsformen nachgingen.
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Einleitung

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Beim Betrachten des bekannten Porträtwerks „Menschen des 20. Jahrhunderts“ von August Sander entsteht der Eindruck, Zigeuner1 seien leicht erkennbar: Sie werden, wie auch Hausierer oder Korbflechter, kategorisch in abgrenzbare Typen unterteilt.2 Es erscheint, als gäbe es klare Kriterien dafür, wer als welcher Typ anzusehen sei, denn der Künstler spielt mit der Darstellung von Stereotypen: Korbflechter werden im Familienverband am Lagerfeuer im Wald sitzend und mit einem Wohnwagen im Hintergrund abgebildet (Foto 1), Zigeuner dunkelhäutig, kinderreich mit Instrumenten in der Natur (Foto 2), der Hausierer hingegen allein mit kleinem Bauchladen (Foto 3).

Sander betont damit gemäß seinem Konzept gängige Klischees3 statt diese zu differenzieren. Die von Sander selbst bezeichneten Porträts sollten typische Vertreter ihrer Zeit und ihres Standes darstellen und hatten trotz der Aufnahme in einem nur begrenzten geographischen Raum einen universellen repräsentativen Anspruch. Sander transportiert in seinem Werk, welche zeitgenössischen Wahrnehmungen von Gesellschaftstypen er als repräsentativ einstufte.4 Die ← 9 | 10 → Zuordnung in Mappen manifestierte nochmals diese Einordnung. Sander änderte seine Konzeption jedoch stetig. Sein Werk enthielt schließlich zwei Mappen unter dem Titel „Fahrendes Volk“. Dabei unterschied er die Mappe „Jahrmarkt und Zirkus“ von der Mappe namens „Zigeuner und Landstreicher“. Den Hausierer nahm Sander in die Mappe „Menschen, die an meine Tür kamen“ auf.5

Foto 1: August Sander: Wandernde Korbflechter, 1929

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