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Katholische Aufklärung und Ultramontanismus, Religionspolizey und Kultfreiheit, Volkseigensinn und Volksfrömmigkeitsformierung

Das rheinische Wallfahrtswesen von 1826 bis 1870 - Teil 1: Die kirchliche Wallfahrtspolitik im Erzbistum Köln - 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

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Volker Speth

Das Buch schildert den Kampf zwischen der katholischen Aufklärung und dem Ultramontanismus um die Haltung der Kirche zum Wallfahrtswesen, einer beliebten Form der Volksfrömmigkeit. Während der Kölner Erzbischof Spiegel (1825–1835) Wallfahrtsprozessionen mit staatlicher Exekutivhilfe durch Verbote ausmerzen wollte, entschied sich nach wiederholten Kurswechseln Erzbischof Geissel 1842 für die Wiederzulassung und Wiederverkirchlichung der Wallfahrtszüge. Bezog sich diese Tolerierung zuerst nur auf die Wallfahrten nach Kevelaer anlässlich der dortigen 200-Jahr-Feier, wurde sie im folgenden Jahr stillschweigend entfristet und auf alle anderen Wallfahrtsorte ausgedehnt. Ab 1843 war der Wallfahrtskult unter klerikaler Regie im Erzbistum Köln schließlich wieder kirchenamtlich legalisiert und akzeptiert, was sein rasches Wiederaufblühen zur Folge hatte.
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6. Gesamtbilanz: die ultramontane Reintegration der Volksfrömmigkeitsformen in den kirchenamtlichen Kultkanon als Anpassungsreaktion auf die Herausforderungen der Moderne

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1.   Zunächst soll die zäsur- und wechselreiche Wallfahrtspolitik der Kölner Ortskirchenleitung kurz zusammengefasst werden. Gemäß den Postulaten der katholischen Aufklärung suchte der Kölner Erzbischof Graf Spiegel (1825 –35) mit staatlicher Exekutivhilfe in seinem Sprengel das Wallfahrtswesen weitgehend zu eliminieren. Dem diente das im Hirtenbrief vom 12. Mai 1826 ausgesprochene Verbot aller mehrtägigen oder die Diözesangrenzen überschreitenden Wallfahrtszüge und das seit 1832 sukzessiv auf immer mehr Dekanate ausgeweitete Verbot an den Pfarrklerus, sich an eintägigen Wallfahrtszügen zu beteiligen oder sie in irgendeiner Weise (z.B. durch Glockenläuten, Kirchenöffnung, Segenspendung, Gottesdienstzueignung) zu begünstigen. Im Gegensatz zum Hirtenbrief, der auch an die Gläubigen adressiert war und aufgrund seiner staatlichen Plazetierung auch staatsrechtlich gültig und damit polizeilich durchsetzbar war, allerdings gerade deswegen auch nur mit staatlicher Zustimmung wieder aufgehoben werden konnte, besaß freilich der dem Pfarrklerus vorgeschriebene Boykott auch von Tageswallfahrten nur den Status einer kircheninternen Dienstanweisung mit nur innerkirchlicher Rechtskraft. Mit dem Amtsantritt des neuen Erzbischofs Droste-Vischering 1836 wurde die amtskirchliche Sabotierung auch von Tageswallfahrten still-schweigend preisgegeben, sodass ab 1836 die klerikale Mitwirkung an diesen Nahwallfahrten wieder gestattet war. Am Verbot von mehrtägigen und transdiözesanen Wallfahrten hielt Droste-Vischering im ersten Jahr seines Pontifikats noch rechtskonform fest, gestattete aber 1837 in Reaktion auf eingehende Bittgesuche solche Wallfahrtszüge unter der Bedingung der Priesterbegleitung. Es handelte sich also um staatsrechtlich illegale Dispense vom formal fortbestehenden Wallfahrtsverbot, das freilich durch die Zahl der Ausnahmegenehmigungen zur Makulatur gemacht wurde. Nach der...

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