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Eine «unbekannte» Sprache lesen «oder» Von der Entdeckung des Nissart durch Interkomprehension

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Stefanie Wagner

Nissart – was ist das? Während Nizza bekannt ist, löst der Name des dort heimischen romanischen Idioms Erstaunen aus. Als Varietät des Okzitanischen hat es zwar ein reiches sprachliches Erbe, doch ist seine Existenz heute bedroht. Stefanie Wagner geht der Frage nach, wie sich ein Lerner dank seiner Kenntnisse in (mindestens) einer romanischen Sprache (L1 oder L2) dieses ihm unbekannte Idiom mit Hilfe interkomprehensiver Lern- und Lesestrategien erschließen kann. Hierbei beleuchtet sie sprachgeschichtliche Zusammenhänge innerhalb der Romania sowie den lerntheoretischen Hintergrund und präsentiert eine Studie zum Leseverständnis des Nissart mit internationalen Probanden. Entdecken Sie ein Stück Romania, das auch von Interkomprehensionsprogrammen bislang unberücksichtigt blieb.
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5 Lou Nissart o Lo Niçard? Vom Entdecken eines „unbekannten“ romanischen parlers

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5Lou Nissart o Lo Niçard? Vom Entdecken eines „unbekannten“ romanischen parlers

L’histoire tumultueuse de Nice259 et ses nombreuses invasions ont influencé le dialecte niçois, qui a su intégrer le vocabulaire ligure puis romain, provençal, piémontais, italien et enfin français, sans pour autant perdre son identité. (o.A. Textes en niçois 2013)

Bevor wir uns in diesem Kapitel mit dem auf Interkomprehension basierenden Verständnis eines authentischen Textes in Nissart auseinandersetzen, werden wir zuächst auf einige außersprachliche historische Fakten eingehen, die sich für die sprachexterne Entwicklung260 ab dem 15. Jahrhundert und die jeweils zeitgenössischen sprachpolitischen Gegebenheiten als bedeutsam erwiesen. Bezüglich des aktuellen sprachpolitischen Status des Nissart verweisen wir auf Kapitel 1.3.

5.1Kurzer Abriss der sprachexternen Entwicklung

Abgeschirmt durch die natürlichen Grenzen des Comté de Nice261 (die Alpen, das Mittelmeer und der Var) konnte sich das Nissart seinen eigenen Charakter bewahren262, der als „resté profondement roman“ (O.A., Textes en niçois 2013) be ← 183 | 184 → schrieben wird. Nichtsdestotrotz ist im Laufe der Geschichte von einem Einfluss der sich abwechselnden Amtssprachen Französisch und Italienisch auszugehen: Zum Duché de Savoie gehörend, stand Nizza 1452 – 1559 zunächst unter französischem Protektorat (vgl. FACN 2013a). 1561 wurde vom Duc Emmanuel-Philibert der Gebrauch des Lateinischen in offiziellen Dokumenten abgeschafft (vgl. Viani 2003: 14) und aus Prestigegründen eine französisch-italienische Zweisprachigkeit eingeführt: „les deux langues officielles du Duché de Savoie étaient donc le...

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