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Das Berliner Osteuropa-Institut

Organisationsbiografie einer interdisziplinären Hochschuleinrichtung 1945–1976

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Ursula Stegelmann

Das Berliner Osteuropa-Institut wurde in den Jahren des Kalten Krieges gegründet. Beginnend mit den Gründerjahren zeichnet die Autorin entscheidende Phasen der Organisationsbiografie bis in die 1970er-Jahre nach. Als innovativ erweist sich die Verknüpfung des wissenssoziologischen Zugriffs mit einer organisationssoziologischen Perspektive. Das Buch basiert auf der Analyse zahlreicher Dokumente, wie Tonbandmitschnitten, Gutachten, wissenschaftlichen Abhandlungen, Briefen und Zeitungsartikeln sowie der Auswertung qualitativer Interviews. Als bedeutende Wissenschaftler der Osteuropaforschung werden Max Vasmer, Werner Philipp, Hans-Joachim Lieber und Karl Christian Thalheim behandelt.
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5. Denkstilanalyse als ein Klassiker der Wissenschaftsforschung: kollektive Denkstile als Forschungsperspektive

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„Definieren wir ‚Denkkollektiv’ als Gemeinschaft der Menschen, die im Gedankenaustausch oder in gedanklicher Wechselwirkung stehen, so besitzen wir in ihm den Träger geschichtlicher Entwicklung des Denkgebietes, eines bestimmten Wissensbestandes und Kulturstandes, also eines besonderen Denkstiles“181.

5. Denkstilanalyse als ein Klassiker der Wissenschaftsforschung: kollektive Denkstile als Forschungsperspektive

Bekanntlich untersucht die Wissenschaftssoziologie die Wissenschaft als soziale Einrichtung und konzentriert sich auf Wissenschaftler als eine soziale Gruppe sowie auf ihre Interaktion mit andere sozialen Gruppen182.

Im Kapitel 2.3 wurde festgestellt, dass das Osteuropa-Institut einen forschungspragmatischen Interdisziplinaritätsstil verfolgte. Hauptanliegen des dritten Kapitels zur organisationssoziologischen Forschungsperspektive war es, Erklärungsansätze zur Frage der Wechselbeziehung von vorgegebenen Organisationsmustern und der Vergangenheitsorientierung von Organisationen zum Thema zu machen. Beides, sowohl der gewählte Interdisziplinaritätsstil wie auch die Organisationsstruktur des Instituts, sind zentrale Momente seiner Organisationsbiografie. Diese Thesen sollen die Behauptung stützen, dass die wissenschaftliche Forschung stark von sozialen Komponenten bestimmt wird. Die Studie von Röddecke und Simon183 hat über die Systematisierung unterschiedlicher Kooperationsstile hinaus, die häufig vorgebrachte Vermutung der Interdisziplinaritätsforschung bestätigt, dass Kooperationen umso schwieriger zu gestalten sind, je mehr Paradigmen in einem Projekt gegeneinander konkurrieren. Nun stellt sich die Frage, welche Paradigmen in der Nachkriegsphase der Osteuropaforschung miteinander konkurrierten? Und welchen übergreifenden Paradigmen der Osteuropaforschung wurde in den interdisziplinären Forschungsprojekten des Osteuropa-Insituts gefolgt? Bevor diesen Fragen im Einzelnen nachgegangen wird, soll ein kurzer Überblick zum disziplinären Feld der Osteuropaforschung helfen, das forschungsinhaltliche Erkenntnisinteresse zu präzisieren. ← 73 | 74...

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