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Deutschlandismen in den Lernerwörterbüchern

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Chiara Scanavino

In Zeiten der Europäischen Union und der vereinfachten Mobilität innerhalb Europas ist es sehr wichtig, auf die eigene Sprachverwendung zu achten: Regional markierte Wörter erschweren die Kommunikation, besonders für die Lerner einer Fremdsprache, weil sie ungesteuert gelernt werden. Auch wenn die Standardsprache Deutschlands als überregional und übernational gilt, weicht sie vom Standard Österreichs und der Schweiz ab. Das Deutsche – wie das Englische und viele andere Sprachen auf der Welt – ist eine plurizentrische Sprache: Sie wird in mehreren Orten, den Zentren, kodifiziert. Deutschland verfügt über eine eigene nationale Varietät, auch wenn sich die Deutschen dessen nicht bewusst sind. Die Arbeit befasst sich mit den Deutschlandismen, den typischen, sprachlichen Merkmalen der Standardsprache Deutschlands, die von Ammon Teutonismen genannt werden, und zeigt, wie die Lexikographen sie behandeln sollten.
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E. Deutschland

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1. Deutsches Standarddeutsch/Deutschländisches Deutsch

Obwohl die Erforschung der nationalen Varietäten des Deutschen erst in der Nachkriegszeit relevant wurde, hat sie laut Polenz (1999: 418–420) eine Vorgeschichte, die bis auf das 17. und 18. Jahrhundert zurückgeht: Zu dieser Zeit haben Sprachexperten und Literaten aus Nord- und Süddeutschland, aus Österreich und aus der Schweiz gegen das Meißnische Deutsch gekämpft, weil es zu viele ost-mitteldeutschen Sprachnormen hatte. Konsequenterweise sind auch die monozentrischen Einstellungen von Linguisten wie Schottelius, Bodmer und Breitinger auf heftige Kritik gestoßen: Die nationalen Varietäten des Deutschen wurden untersucht, um sie durch Wörterbücher berichtigen zu können, weil diese Formen als „fehlerhaft“ galten. Deswegen sollten sie auch vermieden werden.

Erst mit Paul Kretschmers Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache, das 1918 erschienen ist, ist laut Ammon (1995: 35–ff.) eine moderne Darstellung der nationalen Varietäten des Deutschen zu erkennen. Obwohl er noch nichts über Plurizentrismus wissen konnte, hat Kretschmer bereits geahnt, dass die deutsche Sprache nicht durch ein einziges Sprachzentrum (z. B. Preußen oder Wien) kodifiziert werden kann.

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