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Bas Böttcher

Text, Bild und Kommunikation

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Billy Badger

Das Buch befasst sich mit dem Künstler Bas Böttcher. Noch bevor die Poetry- Slam-Bewegung vor 20 Jahren in Deutschland Fuß fasste, stand er mit seinen rap-poetischen Texten auf der Bühne – als MC der HipHop-Formation Zentrifugal und auch als Lyriker. Seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt er sich für die «Wiederentdeckung der akustischen Dimension von Dichtung» ein. In Clubs und Schulen, auf Literaturveranstaltungen und über diverse Medien erreicht Böttcher weltweit ein breites Publikum. Billy Badger untersucht diverse Aspekte von Böttchers Lyrik: die Funktion der poetischen Form; Authentizität und Nachahmung; der Bühnenlyriker als Neonomade; Sex- und Nahrungsmetaphern sowie die Poesie als lyrische Kamera.
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3. Zwischen Fake und Original

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Nicht jeder rennt dem Trend hinterher, daher trennt

Zentrifugal zwischen Fake und Original297

„Willkommen im großen Karaoke.“ So beginnt das Gedicht „Popopfer“ in Bas Böttchers zweitem Gedichtband Neonomade (2009).298 Gleich mit diesen ersten Worten wird der Leser bzw. Zuhörer in einem Raum willkommen geheißen, der wörtlich genommen für viele Kritiker der Slam Poetry ein treffender Ort für die Aufführung eines Spoken-Word-Texts wäre: der Karaoke-Klub. Seit den frühen 1990ern, als Poetry Slam sich bereits weltweit als poetisches Erfolgsphänomen etabliert hatte, bleibt eines der meist zitierten Urteile über die Poetry-Slam-Bewegung Jonathan Galassis abschätzige Bezeichnung der Performance-Poetry als „a kind of karaoke of the written word.“299 Obwohl es inzwischen hybride Ableger-Veranstaltungen wie das Slamaoke in Toronto, den PuroSlam in San Antonio, Texas, oder das Poetry-Karaoke in Saskatoon, Kanada gibt, die die Grenzen zwischen Karaoke und Slam verschwimmen lassen, liegt Galassis Vergleich ein irrtümliches Verständnis von Slam in dessen originalem Format zugrunde. Während der Karaoke-Sänger eine möglichst überzeugende Nachahmung einer bekannten Performance anstrebt, sei der Slam, so Böttcher, „kein Karaoke,“ denn der Slammer darf nur mit „eigene[n] Gedanken in eigenen Worten“ die Slambühne betreten.300 Wichtig sei, wie Böttcher fortführt, „Authentizität.“301 Daher klaffen Poetry Slam und Karaoke dort am ehesten auseinander, wo Originalität und Authentizität gefragt werden. Eben jene Einmaligkeit versteht Böttcher als Hauptvorzug ← 95 | 96 → der performten Dichtung. In...

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