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Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

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Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
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VI. Weitere Literarisierungen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

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Enthält u. a. Wanderbühne, Gespensterbücher, Hafner, J. G. Jacobi, Claudius, Bürger, Hölty, Lichtenberg, Vulpius.

Literarisierungen von jedweden Hexenversammlungen oder Walpurgisnächten sind in der Dichtung des 18. Jahrhunderts keineswegs häufig; auch die Zunahme von Hexenfiguren erfolgt nur allmählich. Eine Ursache dafür ist sicherlich, dass das Interesse daran im Zeitalter der Aufklärung eher gering sein musste, wurde doch eben damit ein überkommener Aberglaube assoziiert. Außerdem könnte dabei eine Tendenz von Bedeutung sein, wonach in der Aufklärung ein Unbehagen oder sogar eine Verdrängung bei Belangen des vermeintlichen Hexenwesens und der Hexereiverfahren festzustellen ist. Ein Grund dafür wird gemeinhin in dem Zwiespalt gesehen, dass einerseits ein ohnehin längst entlarvter Aberglaube abgelehnt wurde, der andererseits besonders in der einfachen Bevölkerung durchaus weiterhin verbreitet war. Obendrein fanden mit dem Schwerpunkt in den katholischen südostdeutschen Territorien noch recht weit bis ins 18. Jahrhundert hinein sowohl vereinzelte Hexenprozesse als auch ← 290 | 291 → im ersten Viertel des Jahrhunderts selbst noch kleinere Prozesswellen statt. Ein Zustand mit dem die aufklärerische, intellektuelle Denkart offenbar zunächst nicht recht umzugehen wusste.451

Auf den Wanderbühnen gehören allerdings Magie- und vor allem Faust-Motive zum Standardrepertoire, ohne dass dabei konkrete Hexenversammlungsmotive, die über Furientänze oder Teufelsansammlungen nach der Art der religiösen Bühnenspiele hinausgingen, festzustellen wären452. Ungewöhnlicherweise ist sogar ein Wanderbühnen-Spieltext nachweisbar, bei dem es um einen „Hexen-Proceß“ geht453. In der Tragödie...

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