Show Less
Restricted access

Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

Series:

Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
Show Summary Details
Restricted access

I. Vorüberlegungen

Extract



Die Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai ist gemeinhin der bekannteste Zeitpunkt, zu dem sich der Volksmythologie nach Hexen, Teufel und andere Unholde an einem eigens dazu ausersehenen Platz versammeln – häufig auf dem ebenfalls allbekannten Blocksberg – um ihre verruchten Kulthandlungen zu begehen. Auf einer idiomatischen Ebene wurde ‚Walpurgisnacht‘, womit eben streng genommen nur ein Datum gekennzeichnet ist, oftmals sogar zu einem Synonym für die Hexenversammlung an sich.

Die Ursprünge des walpurgisnächtlichen Hexentreibens werden in einer landläufigen, nicht weiter reflektierten Wahrnehmung meistens an einigen, einfach als authentisch hingenommenen Thesen festgemacht. Eine dieser scheinbaren Erklärungen zielt beispielsweise darauf ab, dass es sich um einen ausgefallenen Überrest eines althergebrachten Brauchtums handelt, das unmittelbar aus vorchristlichen, heidnischen Riten hervorgegangen sein soll, ohne dass dafür konkrete Anhaltspunkte beigebracht werden könnten. Andere Annahmen konzentrieren sich dagegen sehr auf die umfassende Wirkung der „Walpurgisnacht“ aus dem ersten Teil von Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ (1808). Eine gewisse Bedeutung wird dabei einer stofflichen Achse zwischen Goethe (1749–1832) und dem Leipziger Magister Johannes Praetorius (1630–1680) beigemessen. Jener Praetorius hatte in einem Teil seines Hauptwerkes zum Hexenwesen – der Kompilation „Blockes-Berges Verrichtung“ (1668) – als erster einigermaßen systematisch die Vorstellungen um das vermeintliche dämonische Treiben auf dem Harzer Brocken zusammengestellt; nicht zuletzt so wurde der Brocken zum berühmtesten aller Hexenberge in Deutschland und praktisch zum Inbegriff des Blocksberges1. Goethe hat später unter anderem wohl tatsächlich diese stoffliche Aufbereitung Praetorius’ zur Ausgestaltung seines...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.