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Apologien Russlands

Ein russisch-deutsches Presse-Projekt (1820–1840) und dessen Gestalter Fedor I. Tjutčev und Friedrich L. Lindner

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Svetlana Kirschbaum

Ende der 1820er Jahre erschienen in einem der bedeutendsten Presseorgane Europas, der Augsburger Allgemeinen Zeitung, zahlreiche russlandkritische Artikel. Als Gegenreaktion engagierte die russische Gesandtschaft in München den renommierten Publizisten Friedrich L. Lindner, um das außenpolitische Ansehen Russlands wiederherzustellen. Die Autorin rekonstruiert den Verlauf dieser prorussischen Presse-Aktivitäten im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Unter Heranziehung von bislang unveröffentlichtem Archivmaterial wird untersucht, welche Rolle hierbei der bedeutende russische Dichter und Publizist Fedor Tjutˇcev, ein Mitarbeiter der Gesandtschaft, spielte. Im Mittelpunkt der Studie stehen die russlandapologetischen Konzepte Lindners und Tjutčevs, die aufgrund dieser Zusammenarbeit entstanden sind.
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4. „Russe mit Leib und Seele“: Tjutčevs Publizistik der 1840er Jahre

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Nach der Abreise Potemkins aus München (1832) gestaltete sich Tjutčevs Tätigkeit bei der Gesandtschaft ruhiger. Seine diplomatischen Aufgaben beschränkten sich in dieser Zeit auf einige Dienstreisen, die finanzielle Lage wurde aber wegen des ständigen Geldmangels immer komplizierter, er brauchte dringend eine neue und besser bezahlte diplomatische Stelle. Im Sommer 1835 traf Tjutčev in Karlsbad den russischen Außenminister Karl Nesselrode, mit dem er seine dienstlichen Perspektiven besprach (vgl. Динесман 2004, 74).2 Es bleibt allerdings unklar, ob Tjutčev dabei auch die mögliche Wiederbelebung des propagandistischen Projektes ansprach, aber am 17. Januar 1836 wurde in der AAZ erneut ein Artikel veröffentlicht, der höchstwahrscheinlich von der russischen Gesandtschaft in München stammte und wiederum die polnische Frage thematisierte. Im Redaktionsexemplar wurde unter diesen Text der Vermerk gesetzt: „Anonym aus München. Russische Gesandtschaft?“. Das Fragezeichen kann in diesem Fall bedeuten, dass die Redaktion den Namen des Korrespondenten zwar nicht kannte, aber Gründe hatte, den unbekannten Verfasser des Artikels als einen Mitarbeiter der russischen Gesandtschaft zu attribuieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Artikel von Lindner oder Thiersch geschrieben wurde, ist sehr gering. Lindner wurde 1832 zum bayerischen Legationsrat in Stuttgart ernannt. Im selben Jahr endete auch seine intensive journalistische Tätigkeit bei der AAZ, was nicht zuletzt mit dem Tod von Johann Friedrich Cotta verbunden war. Im Zeitraum zwischen 1832 und seinem Tod (1845) schickte Lindner nur einen einzigen Beitrag (1837) an die AAZ, wobei dieser nicht politischen, sondern sprachwissenschaftlichen Fragen gewidmet war. Friedrich...

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