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Literatur im sozialen Prozess des langen 19. Jahrhunderts

Zur Ideengeschichte und zur Sozialgeschichte der Literatur

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Udo Köster

Schriftsteller beanspruchen im Prozess der Modernisierung eine wichtige Rolle als Verfasser von Dorfromanen, als nationale Propagandisten in den Befreiungskriegen, als Mitspieler in der Literatur der französischen Moderne (Heinrich Heine), als Träger des deutschen Nationalbewusstseins und als Begründer einer nationalen Staatlichkeit nach 1870. Der Band versammelt Arbeiten zur Sozialgeschichte der Literatur, unter anderem über Strategien der Bauernaufklärung, über kulturelle Stereotypen in den deutsch-französischen Kulturbeziehungen, über Gender-Mythen und Mystifikationen im Vormärz, über den «französischen» Heine sowie über David Friedrich Strauß und die Rezeption der Religionsphilosophie Hegels; ferner geht es um Geschichtsbilder und die Mentalität der Gebildeten im Kaiserreich sowie um theoretische Fragen der Modernisierung und der literarischen Moderne um 1900.
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10. Die „Leitartikel“ zu den Hamburger Heinedenkmalen. Denkmalgeschichte als Rezeptionsgeschichte. 1897, 1906, 1956

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Denkmale sagen etwas aus über den, dem ein Denkmal gesetzt wird. Das ist eine Seite beim Denkmalsetzen. Denkmale sagen aber auch etwas aus über den, der dieses Denkmal setzt.

Man setzte Denkmäler als Illustrationen zu Leitartikeln. Man veranstaltete Enthül-lungsfeierlichkeiten, um Meetings zu veranstalten. Das Denkmal diente der Politik zum Vorwande. Man sagte Gutenberg-Denkmal und meinte Preßfreiheit. Man sagte Hermann-Denkmal und meinte die deutsche Einheit. Das Denkmal war der Sack, auf welchen man schlug, aber die Tendenz meinte man.2

Was sagte man, wenn man „Heine-Denkmal“ sagte? Um die „Leitartikel“ zu den Hamburger Heinedenkmalen geht es im Folgenden.

Vor gut hundert Jahren, im Vorfeld der Erinnerung an Heinrich Heines hundertsten Geburtstag, hatte Paul Heyse im Jahre 1887 dazu aufgerufen, dem Dichter als dem „größten Lyriker der nachgoetheschen Epoche“3 in Deutschland ein Denkmal zu setzen. Diese Denkmalinitiative bildete den Katalysator einer ersten vehementen Debatte über Heinrich Heine im nationalen Kontext.

Das Denkmal sollte in Düsseldorf stehen, der Geburtsstadt Heines. Das Geld aufzubringen, war nicht die größte Schwierigkeit, zumal Elisabeth, die österreichische Kaiserin, etwa die Hälfte des Betrags beisteuerte und einen Künstler, Ernst Gustav Herter, vorschlug. Um die Form des Denkmals kam es bereits im Vorfeld zu Kontroversen. Herter machte zwei Vorschläge: Ein Standbild, überlebensgroß, und einen Brunnen mit an Heine erinnernden Motiven (einer ← 221 | 222 → Loreley-Statue, drei Nixen, allegorischen Figuren und einem Heine-Medaillon), den „Loreleybrunnen“. Elisabeth wollte „den ganzen Heine“, also das Standbild, die D...

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