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Wege zur späten Lyrik von Elisabeth Langgässer

Übersinnliches erfahren im sinnlich Wahrnehmbaren

Niels Kranemann

Elisabeth Langgässer (1899–1950) war in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine der literarischen Hoffnungsträgerinnen in Deutschland. Doch nachdem sie 1936 als Halbjüdin im NS-Staat Schreibverbot erhalten hatte, musste sie unter ständigen Schikanen und Bedrohungen leiden. In ihren letzten fünf Lebensjahren entstand eine Reihe von Gedichten, die sie unter dem Titel Metamorphosen herausgeben wollte. Ihr früher Tod vereitelte jedoch diese Absicht. Acht der Metamorphose -Gedichte werden in diesem Band interpretiert. Die Textanalysen zeigen, dass Langgässer «das Sinnliche für das Übersinnliche, die Natur für das Jenseits-aller-Natur transparent» zu machen verstand, wie ihr Ehemann W. Hoffmann einmal schrieb. Sie zeigen aber auch, welch breiten Varianten-Spielraum es in diesen aus Naturbeobachtung, antiker Mythologie und christlichem Glauben geschaffenen Textmontagen gibt. Die Gedichte zählen zu den virtuosesten, bilder- und gedankenreichsten Sprachkunstwerken des 20. Jahrhunderts.
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Vorbemerkungen

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Längst hat sich die Dunkelheit des Vergessens auf viele Personen, Ereignisse und Ideen des 20. Jahrhunderts gesenkt.

Auch von dem, was damals in den Künsten geschaffen wurde, ist ein großer Teil selbst heutigen Kunstliebhabern nicht mehr bekannt, obwohl es noch vor weniger als einem Jahrhundert, also zu Lebzeiten zahlreicher älterer Mitbürger, das Denken, Fühlen und Handeln vieler Menschen beeinflusst und damit das geistige Leben des zwanzigsten Jahrhunderts bestimmt hat.

Solches Vergessen-Werden ist wohl notwendig. Nicht alles, was einmal gedacht, geschrieben, gestaltet worden ist, kann auf ewig lebendiger Besitz der Menschheit bleiben. Aber immer wieder wird man sich einzelne Personen, Entdeckungen, Erfindungen, Werke oder Ideen in Erinnerung rufen und sie vor dem Hintergrund der eigenen Zeit zum Anlass der Neu-Orientierung oder Selbst-Vergewisserung nehmen und ihnen auf diese Weise neue Aktualität verleihen.

Gedenktage können Anlass für solche Rückbesinnungen sein, neue Problemstellungen im Leben Einzelner oder ganzer Völker, auch Geburts- oder Sterbedaten von Politikern, Philosophen, Wissenschaftlern oder Künstlern.

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