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Zivilgesellschaft im Widerstreit

Konkurrenz zwischen Staat, Ökonomie und Zivilgesellschaft in der Realisierung des gesamtgesellschaftlichen Gemeinwohls

Reinhard Hildebrandt

In der gegenwärtigen Demokratie spielt das zivilgesellschaftliche Engagement selbstbestimmter und selbstverantwortlicher Bürger eine immer größere Rolle. Sie geben sich selbst Gesetze und handeln danach, obgleich ihnen eigennütziges Handeln nicht fremd ist. Beide Verhaltensweisen bestimmen zivilgesellschaftliches Engagement. Zivilgesellschaftliche Gemeinwohlbelange treten zunehmend in Konkurrenz zu den etablierten Gemeinwohlbelangen des Staates und der Ökonomie. Dringendste Aufgabe der Gegenwart ist die Erarbeitung eines zivilgesellschaftlich orientierten gesamtgesellschaftlichen Gemeinwohls. Repräsentanten der Zivilgesellschaft sollten künftig gleichberechtigt mit den Entscheidungsträgern aus Staat und Ökonomie das gesamtgesellschaftliche Gemeinwohl realisieren. Geschieht dies nicht, ist die Demokratie gefährdet.
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X. Zusammenfassung und Schlussreflexion

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1. Partialinteresse und Gemeinwohl

Werden Partialinteresse und Gemeinwohl ausschließlich als gegensätzliche Pole begriffen, schließt das eine Extrem das andere völlig aus. Können beide Pole jedoch nicht ohne den anderen bestimmt werden, verweist jeder Begriff nicht nur auf das ihm äußerliche Gegenteil, sondern schließt das Gegenteil auch in sich ein. Beiden Begriffen haftet der Gegenbegriff als Moment seiner selbst unentrinnbar an.

Auf unzulängliche Weise mathematisch ausgedrückt: die Quantitäten der beiden Qualitäten gehen gegen null, wenn sie sich in ihrem Spannungsverhältnis wechselseitig aufeinander zubewegen. Je weniger Quantität der einen Qualität im Spannungsverhältnis verbleibt, desto mehr nähert sie sich dem eigenen Auflösungspunkt. Dort angekommen ist nicht nur das Spannungsverhältnis zur anderen Qualität aufgehoben, sondern jene gegensätzliche Qualität erlischt ebenfalls, da sie nicht ohne ihr Gegenteil existieren kann. In der Mathematik löst sich die gegen null gehende Quantität der einen Qualität erst im „Unendlichen“ auf, d.h. beim Übergang von ihrer endlichen Existenz zur unendlichen. Daraus folgt, dass in einem polarisierten Spannungsverhältnis beide gegensätzlichen Qualitäten bis zu diesem Übergang vom endlichen in den unendlich Bereich ihr Gegenteil als Momente unmittelbar und unabwendbar an sich haben. Dies gilt auch für den Sachverhalt, auf den sich die Begriffe beziehen. In jedem Partialinteresse ist mindestens ein „unendlich“ kleines Quäntchen Gemeinweinwohl enthalten und umgekehrt enthält jedes Gemeinwohl auch wenigstens ein winziges Quantum partiellen...

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