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Die Schwedischen Ballette – Les Ballets Suédois

Getanzte Visionen im Paris der 1920er Jahre

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Karin Dietrich

Die Ballets Suédois, die Schwedischen Ballette, die das Paris der «Années folles» zum Experimentierfeld der Künste machten und die Russischen Ballette für kurze Zeit mit ihren innovativen Tanzprojekten in den Schatten stellten, sind heute immer noch wenig bekannt, gelten aber als große Wegbereiter des modernen Tanztheaters. Karin Dietrich fächert die Entwicklung der Truppe vor dem Hintergrund ihres Zeitgeschehens auf, stellt das Repertoire und seine ästhetische Verortung vor und betrachtet exemplarisch einzelne Werke. Sie nähert sich so der Frage, was für die Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die große Faszination der Gattung Ballett ausmachte, und wie es dazu kam, dass sich eine schwedische Balletttruppe Paris als Ausgangspunkt für ihr Unternehmen wählte.
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II. Die Ästhetik der Ballets Suédois

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„Nous créons selon des lois que nous ne savons pas définir.“

Jean Börlin357

Die Grundproblematik der Formulierung einer Ästhetik der Ballets Suédois

Börlin äußerte sich einmal ironisch über den Versuch von Kritikern, die Ballets Suédois ästhetisch einordnen zu wollen bzw. über den Vorwurf, dass sich die Truppe ästhetisch nicht einordnen ließe:

Für ihn war es – während seiner Schaffensphase mit den Ballets Suédois – ein vorbehaltloses Umgehen mit Ästhetik. Als Macher, der im Zentrum der Ballets Suédois stand, war es für ihn einerseits nicht notwendig, andererseits auch besonders schwer, von außen auf das Phänomen zu schauen und es zu analysieren. In einem Artikel mit dem Titel Les Ballets Modernes et les Ballets Suédois, der nach der Auflösung der Ballets Suédois entstanden ist359, spricht er davon, dass es ein Problem für ihn sei, wissenschaftlich über eine Ästhetik zu sprechen, von der er selbst ein Teil sei: ← 115 | 116 →

Im selben Artikel weist Börlin darauf hin, dass das Festlegen auf eine grundsätzliche Ästhetik von modernem Ballett aus zwei Gründen schwierig sei: Zum einen handelt es sich seiner Ansicht nach um keine „stabile Ästhetik“, weil sie ständig im Begriff sei, sich zu verändern, zum anderen sei das Ballett eine Fusionskunst aus den Komponenten „Choreografie, Malerei, Musik und Poesie“, was eine Analyse erschwere.360 Damit trifft er einen Kern in der...

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