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«Denken und Handeln.» Philosophie und Wissenschaft im Werk Johann Gottlieb Fichtes

Akten der Interdisziplinären Fichte-Konferenz der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin am 13. November 2014 anlässlich des 200. Todestages des Philosophen im Rathaus Berlin-Mitte

Edited By Hans-Otto Dill

Der Sammelband enthält die zwölf Referate der multidisziplinären Fichte-Konferenz der Berliner Leibniz-Sozietät vom 13. November 2014 über die Ansichten dieses vielseitigen Denkers zu Philosophie und Einzelwissenschaften, besonders zu Pädagogik, Ökonomie, Geschichte, Philosophiegeschichte, Politologie und Naturwissenschaften. Die Beiträge verdeutlichen u. a. erstmals den für Fichte charakteristischen Zusammenhang zwischen Wissen und Handeln, den eminenten Praxischarakter seiner Philosophie sowie seine revolutionierende Entdeckung der Trinität Subjekt, Selbst und Ich. Neben der Genesis wird die Rezeption und Weiterentwicklung seines Denkens bis hin zum Existentialismus und zum naturwissenschaftlichen Subjektbegriff der modernen Informatik dargestellt.
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Philosophie und Politik. Zu Fichtes Machiavelli-Rezeption

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Machiavellis Rufbild in der Nachwelt und bei Fichte

Johann Gottlieb Fichte schrieb während der napoleonischen Besetzung nach den von Preußen verlorenen Schlachten von Jena und Auerstädt im damals ostpreußischen Königsberg eine Abhandlung ausgerechnet über Niccoló Machiavelli, den fast vergessenen Autor des Buches Il Principe (Der Fürst) aus dem mediterranen Florenz des beginnenden 16. Jahrhunderts, eine Anleitung zu praktischer Politik, die dieser dem kommenden Herrscher über die Stadtrepublik, Lorenzo dei Medici, ans Herz gelegt hatte.

Bei seiner Machiavelli-Lektüre entdeckte Fichte nicht nur weitreichende politische Parallelen zwischen Deutschland und Italien, sondern die wohl erstmals in der Weltgeschichte des Denkens von dem Florentiner Staatssekretär thematisierte und als solche auch terminologisch so benannte Frage der „Nation“ als moderne Form kollektiver Subjektivität. Zugleich imponierte ihn dessen agitatorisches Bemühen um die Erzeugung von Handlungsbewusstsein und -fähigkeit für den Kampf um die politische Selbständigkeit und die bislang ausgebliebene staatliche Einheit der italienischen Nation als ihrer Voraussetzung.

Fichtes Würdigung Machiavellis unterscheidet sich grundlegend von allen vorhergehenden Darstellungen dieses Denkers, die von ihm das triviale und obendrein falsche Bild des Predigers eines morallosen Pragmatismus lieferten. Hinter diesem Rufbild steckten zwei Klassen von m. E. nicht unberechtigten Behauptungen, einmal die des Heidentums, des Unchristlichen, und zum anderen die der Morallosigkeit. In der Tat ist in seinem Werk, außer einer Fundamentalkritik an der politischen Rolle des Vatikans, kaum je von Religion die Rede. Auch kann man wohl von...

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