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Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
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3. Gibraltar 1704–1730

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3.Gibraltar 1704–1730

Gibraltar, dessen Bevölkerung zuvor vom Export landwirtschaftlicher Güter aus dem Hinterland lebte, war nun von diesem abgeschnitten. Ein weiteres Vordringen in das Hinterland gelang nicht.51 Die Eroberung Gibraltars erfolgte zunächst im Namen des Habsburger Thronprätendenten. So verwundert es nicht, dass Georg von Hessen-Darmstadt die Position des Gouverneurs zukam,52 der abgesehen von einigen hundert Katalanen, die auf der Seite des Erzherzogs kämpften,53 über keine eigenen Soldaten in Gibraltar verfügte. Zum Zeitpunkt der Eroberung wurde Gibraltar jedenfalls als Festung des Erzherzogs gesehen. Eine dauerhafte Trennung von Spanien war noch nicht abzusehen.54

Absehbar war aber ein spanisch-französischer Gegenangriff, allerdings wollten die Alliierten Gibraltar sicher nicht so einfach wieder verlieren, wie sie es gewonnen hatten.55 Es ging nun also nicht nur darum, genügend Truppen in Gibraltar zu lassen, um die Festung ausreichend zu besetzen,56 sondern auch darum, die Schäden an dieser ausreichend zu reparieren, um einem spanischen Angriff widerstehen zu können. Es liegt dabei nahe, dass Baumaterial und Arbeitskräfte nicht aus dem spanischen Umland bezogen werden konnten, so dass anzunehmen ist, dass Georg von Hessen-Darmstadt sehr bald nach der Eroberung die Möglichkeit ins Auge fasste, diese aus Marokko zu beziehen.

Der erwartete Angriff auf Gibraltar begann im Oktober 1704 und dauerte bis Ende März 1705. Dabei setzten Spanier und Franzosen sowohl Infanterie und Artillerie als auch Kriegsschiffe ein. Dennoch gelang ihnen keine effektive Seeblockade, wodurch es den Alliierten m...

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